Düster und spannend geschrieben, aber emotional leer, zu brutal und mit schwachen Figuren, für mich eine klare Enttäuschung.
Handlung¿Catching Beauty¿ von J. S. Wonda eröffnet eine Dark-Romance-Reihe, die von Beginn an mitintensiven, düsteren Elementenarbeitet und den Leser in eine Welt voller Kontrolle, Gewalt und Abhängigkeit zieht. Anfangs gelingt es noch, sich in Amber hineinzuversetzen und ihrer Situation zumindest ansatzweise emotional zu folgen. Doch spätestens mit den Ereignissen rund um die Käfige kippt dieses Gefühl deutlich.Die Handlung bewegt sich zunehmend in Bereichen, dienicht nur brutal, sondern stellenweise auch absurd wirken. Trotz dieser Überzeichnung bleibt der Roman auf eine gewisse Weisespannend und fesselndgeschrieben, was dazu führt, dass man weiterliest, auch wenn die emotionale Bindung längst verloren gegangen ist. Dennoch fehlte mir jegliches echtes Mitfiebern. CharaktereDie Figuren stellen für mich den größten Schwachpunkt des Romans dar.Amber beginnt noch greifbar, verliert jedoch schnell an Tiefe und Nachvollziehbarkeit. Ihr Verhalten wirkt zunehmend sprunghaft und teilweise unfreiwillig komisch, statt authentisch oder erschütternd.Auch die übrigen Charaktere bleibenauffallend flachund entwickeln kaum Profil. Ihre Handlungen erscheinen oft nicht schlüssig, was besonders in einem Genre, das stark von psychologischer Spannung lebt, problematisch ist. Die Entwicklung der Figuren ist schwer nachzuvollziehen und wirkt eher konstruiert als organisch gewachsen.SpracheJ. S. Wonda, die für ihre provokanten und grenzüberschreitenden Geschichten bekannt ist und sich vor allem im Dark-Romance-Bereich eine große Leserschaft aufgebaut hat, versteht es durchaus, Spannung zu erzeugen. Der Schreibstil istflüssigund zieht den Leser durch die Seiten, selbst wenn die inhaltliche Ebene nicht überzeugt.Allerdings steht dieseerzählerische Stärke in starkem Kontrast zur emotionalen Leere der Geschichte. Die Vielzahl an drastischen Szenen, sowohl physischer als auch psychischer Natur, wirkt oft überladen und verliert dadurch an Wirkung. Weniger wäre hier vermutlich mehr gewesen.Gesamteindruck¿Catching Beauty¿ ist für mich eineEnttäuschung innerhalb des Dark-Romance-Genres,obwohl ich mit den typischen Elementen dieses Genres durchaus vertraut bin. Die Geschichte war mir insgesamt zu viel, zu brutal und gleichzeitig zu wenig gehaltvoll.Ich habe die komplette Reihe im Voraus gekauft, um möglichen Cliffhangern zu entgehen, und mich letztlich eher aus Pflichtgefühl durch die weiteren Bände gearbeitet. Zwar wird es in Band zwei und drei minimal besser, doch von einer wirklich guten Entwicklung ist die Reihe weit entfernt.Das Buch war stellenweiseunterhaltsam genug, um es zu beenden, aber es bleibtweder nachhaltig im Gedächtnis noch weckt es den Wunsch nach einem erneuten Lesen. Für mich keine Empfehlung, höchstens für Leser, die bereit sind, sich durch einen schwachen Auftakt zu kämpfen, um eine leichte Steigerung in den Folgebänden zu erleben.