Schon optisch macht das Buch einiges her und auch die Grundidee der Story hat mich von Anfang an neugierig gemacht. Gerade das Konzept rund um Magie, Affinitäten und die Welt dahinter klang nach etwas, das mir eigentlich richtig gut gefallen müsste. Leider konnte mich die Umsetzung am Ende aber nicht überzeugen.
Einer meiner größten Kritikpunkte ist das fehlende Worldbuilding. Man verbringt fast die gesamte Zeit am College (was an sich kein Problem ist), ohne wirklich ein Gefühl für die Welt außerhalb zu bekommen. Weder die Machtstrukturen noch die Bedeutung der Hexenzirkel oder das Magiesystem werden ausreichend erklärt. Es bleibt alles sehr oberflächlich, wodurch die Welt nie wirklich greifbar wird. Auch die Magie selbst wird kaum greifbar dargestellt. Da hätte man deutlich mehr von zeigen können.
Paisley ist grundsätzlich eine nette Protagonistin, mit der ich am Anfang auch noch ganz gut zurechtkam. Dass sie mit ihren 22 Jahren nicht komplett erwachsen wirkt, hat mich dabei gar nicht gestört, im Gegenteil, das kann auch authentisch sein. Was mich jedoch zunehmend gestört hat, war die Art, wie ihre Gedanken und Dialoge geschrieben sind. Die Sprache wirkt oft sehr erzwungen jugendlich und teilweise überzogen, was es für mich eher unauthentisch als locker und humorvoll gemacht hat. Auch die vielen sexuellen Anspielungen waren irgendwann unangenehm.
Logan bleibt leider komplett blass. Dabei hätte er als geheimnisvoller, mächtiger Charakter wirklich viel Potenzial gehabt. Stattdessen taucht er nur sporadisch auf. Man erfährt so gut wie nichts über ihn, wodurch auch keine echte Verbindung oder Chemie zwischen ihm und Paisley entstehen konnte. Ihre Dynamik wirkt eher wie ein Hin und Her ohne klare Entwicklung. Mal davon abgesehen, dass er immer als "Feind" dargestellt wird aber so wirklich nachvollziehbar ist das nicht.
Ein weiteres großes Problem war für mich die Handlung selbst. Die Geschichte tritt lange Zeit auf der Stelle, wiederholt sich häufig und entwickelt sich kaum weiter. Viele interessante Ansätze werden zwar angerissen, aber nicht weiter ausgearbeitet. Statt Antworten zu bekommen, sammeln sich immer mehr Fragen an.
Das Ende hat diesen Eindruck leider noch verstärkt. Einige Entwicklungen waren vorhersehbar, was ich persönlich nicht schlimm finde. Problematisch ist eher, dass nichts wirklich aufgelöst wird. Stattdessen werden neue Begriffe und Andeutungen eingeworfen, ohne dass bestehende Fragen beantwortet werden. Natürlich darf ein erster Band mit einem Cliffhanger enden, aber hier fehlt für mich die Balance. Ich hatte am Ende eher das Gefühl, als hätte es sich nicht gelohnt das Buch gelesen zu haben. Als könnte man einfach in Band 2 einsteigen und damit würde man auch zurecht kommen.
Grundsätzlich ist das Buch keine Vollkatastrophe. Es hat mich durchaus auch neugierig gemacht und es war stellenweise auch spannend. Leider gab es aber zu viele "wichtige" Aspekte, die nicht funktioniert haben.
Insgesamt ist es ein Buch mit einer wirklich starken Grundidee und viel Potenzial, das meiner Meinung nach aber nicht ausgeschöpft wurde. Ich hätte es sehr gerne mehr gemocht!