Worum gehts?
Anne Dahl hat ihre Vergangenheit hinter sich gelassen. Zumindest glaubt sie das. Unter einer neuen Identität versucht sie, gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem neuen Partner in einem abgelegenen Dorf ein neues Leben aufzubauen. Weit weg von ihrem gewalttätigen Ex, der ihr das Leben zur Hölle gemacht hat. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht so einfach abschütteln. Und plötzlich sind sie wieder da: die Angst, die Bedrohung und das Gefühl, niemals wirklich sicher zu sein ...
Meine Meinung:
Was für ein Auftakt! Was für ein Ermittlerteam! Und was für ein verdammt guter Krimi! Mit Eiskalte Monster startet Jørgen Jæger seine Fjellberghaven Murders-Reihe um Ole Vik und Cecilie Hopen und hat mich damit vom ersten Moment an begeistert. Authentische Charaktere, ein mitreißender Schreibstil, eine tolle Atmosphäre und Ermittlungen, die spannender kaum sein könnten. Genau so muss ein Kriminalroman sein!
Besonders begeistert hat mich das Ermittlerteam. Endlich einmal Polizisten, die nicht von persönlichen Dämonen, Alkoholproblemen oder einer völlig verkorksten Vergangenheit geplagt werden. Ole Vik und Cecilie Hopen sind herrlich bodenständig, sympathisch und einfach Menschen wie du und ich. Dazu kommen Marte, die Polizeichefin und Oles Freundin, sowie Jostein, ein herrlich verschrobener Ermittler, der optisch eher in eine Motorradgang als auf eine Polizeiwache passen würde. Und dann wäre da noch Morten, der im Laufe der Geschichte zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ein großartiges Ensemble, das durch seine unterschiedlichen Persönlichkeiten, seine Authentizität und sein Zusammenspiel überzeugt. Auch Anne Dahl und ihre Familie sind wunderbar vielschichtig und glaubwürdig dargestellt.
Doch nicht nur die Charaktere haben es mir angetan. Der ganze Fall hat von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Obwohl klassischer Kriminalroman, sorgen zahlreiche Thrillerelemente für zusätzliche Nervenkitzel. Die Spannung bleibt durchgehend hoch, die Atmosphäre ist stellenweise geradezu beklemmend und die Ermittlungen sind schlichtweg genial!
Besonders unter die Haut gegangen ist mir Annes Geschichte. Häusliche Gewalt, psychische Manipulation und Femizid sind erschreckend aktuelle Themen, die der Autor schonungslos und eindringlich aufgreift. Wie perfide ein Mensch einen anderen manipulieren, kontrollieren und zerstören kann, hat mich regelrecht sprachlos gemacht. Auch die Ermittlungen im Umfeld einer Motorradgang, die Vorurteile gegenüber die Roma-Gemeinschaft auf einem abgelegenen Hof sowie Fremdenfeindlichkeit spielen eine wichtige Rolle. Gesellschaftliche Abgründe, menschliche Schicksale und ein verzwickter Kriminalfall verschmelzen hier zu einer Geschichte, die gleichermaßen erschüttert und fesselt.
Und dann diese Ermittlungsarbeit! Hinweis für Hinweis, Spur für Spur kommen wir der Wahrheit näher. Immer wieder eröffnen sich neue Zusammenhänge, werden Vermutungen über den Haufen geworfen und scheinbare Gewissheiten erschüttert. Dabei bleibt alles nachvollziehbar, ohne auch nur einen Moment vorhersehbar zu werden. Und die Auflösung? Ein Volltreffer! Mit diesem Täter hatte ich tatsächlich nicht gerechnet. Rückblickend fügt sich jedoch alles so schlüssig zusammen, dass ich nur begeistert den Hut ziehen kann. Genau so liebe ich Krimis!
Fazit:
Ein Serienauftakt, wie er besser kaum sein könnte! Jørgen Jæger hat mich mit Eiskalte Monster restlos begeistert. Ein sympathisches, herrlich authentisches Ermittlerteam, erschreckend realistische Themen, raffinierte Wendungen und ein Kriminalfall, der mich bis zur überraschenden Auflösung nicht mehr losgelassen hat. Hier stimmt einfach alles! Für mich ein mehr als gelungener Einstieg in die Fjellberghaven Murders-Reihe. Dass Jæger in Norwegen Bestsellererfolge feiert, wundert mich nach diesem Leseerlebnis kein bisschen. Ich bin jedenfalls schon jetzt Fan von Ole Vik und Cecilie Hopen und kann ihren nächsten Fall kaum erwarten!
5 eiskalte Sterne von mir!