Mittelalterliches Intrigantenstadel um den Bau einer Kathedrale
Ich möchte diesmal die Geschichte nicht ausführlich schildern, nur soviel: Philip, der neue Prior der Abtei zu Kingsbridge, möchte zum Ruhme Gottes eine neue Kathedrale erbauen lassen. Ebenso der Steinmetz Tom Builder, dessen Lebenstraum es ist, als Dombaumeister an einem solchen Vorhaben mitzuwirken. Er kam mit seiner Gefährtin Ellen und ihren Kindern in Kingsbridge an, um nach Arbeit zu ersuchen. Doch beide sind nicht verheiratet, zudem verbirgt Ellen ein Geheimnis aus der Vergangenheit, welches einigen Mächtigen, insbesonders Bischof Waleran, einem Gegenspieler von Philip, gefährlich werden kann.Auch Aliena, Tochter des Grafen von Shiring, kommt nach Kingsbridge, nachdem ihr Vater als Verräter gefangen genommen wird und sie dadurch Titel und Zuhause verliert. Ihr Gegenspieler ist William Hamleigh, der neue Graf von Shiring.Um diese Konstellation entspinnt sich ein Mittelalterroman um Liebe und Gewalt, Macht und Intrigen.Ken Follett zeigt sich wieder einmal als Meister des Intrigantenstadels. Es geht ständig hin und her, mal hat der eine die Oberhand, mal der andere. Die Spannung bleibt dabei erhalten, weil die wirklich Bösen erst am Ende ihre gerechte Strafe bekommen. Das dies aber dann doch passiert, schafft Genugtuung, weist den Roman aber auch als Trivialliteratur aus, das aber im besten Sinn.Das schwächste Kapitel, weil am wenigsten überzeugend ist dabei meiner Meinung nach das Zwölfte, in dem sich Aliena mit ihrem gerade neugeborenen Baby zu Fuß auf die Suche nach dem leiblichen Vater macht, dabei bis nach Toledo kommt, ihn schließlich in Paris wiederfindet, um dann mit ihm zusammen, dabei eine wundertätige Madonnenfigur, durch diese sehr viel gesammeltes Geld und im Anhang noch ein Haufen Handwerker für den Kathedralenbau, nach Kingsbridge zurückkehrt. Das ist einfach "zuviel des Guten" und dazu wenig überzeugend.Überhaupt wirkt das Buch zum Ende hin arg gerafft, es fällt immer auf, wenn ein Autor sich am Anfang Zeit zum Entspinnen der Geschichte nimmt, zum Ende aber stark zusammenkürzt. (Das, was mich meistens stört.)Trotz allem fühlt man sich gut unterhalten und darum geht es ja in solch einem Roman, man muss nicht viel dabei denken und kann somit die knapp 1300 Seiten in ein bis zwei Wochen durchlesen.Denn wir haben es hier eben nicht mit einem Sittengemälde des sich langsam neigenden Mittelalters zu tun, Follett schildert die Zustände für den heutigen Leser anschaulich, ob dabei aber auch realistisch, möchte ich fast bezweifeln. Manches wirkt unglaubhaft.Sehr ausführlich sind die architektonischen Anforderungen, die mit dem Bau einer Kathedrale in der Zeit des Überganges von der Romanik zur Gotik verbunden sind, beschrieben. Man kann nachvollziehen, mit welchen Problemstellungen die damaligen Baumeister zu tun hatten.Ein Roman also mit historischen Schwächen aber einer sehr spannenden Handlung. Insgesamt eine Leseempfehlung für lange Winterabende, ein Buch, was man ohne größeren Nachhall lesen und dann wieder weglegen kann und das muss ja auch mal sein.Drei oder vier Sterne? Meistens gehe ich, wenn ich dazwischen liege, nach unten, diesmal aufgrund des spannenden Plots aber nach oben.