Donkerbloem liegt diesmal nicht im Mittelpunkt ¿ aber sein Schatten reicht noch immer bis zu jeder einzelnen Figur.
Es gibt Orte in Büchern, die verlässt man nach der letzten Seite nicht wirklich.Donkerbloemist für mich so ein Ort.Nachdem mich"Der Trailer"tief in die Ardennen und in die ziemlich eigenwillige Welt dieses Campingplatzes geführt hatte, war klar: Ich wollte zurück.Zurück zu Wout.Zu Tayfun.Zu diesen Menschen, bei denen man nie ganz sicher sein kann, was hinter der nächsten Ecke - oder hinter der nächsten verschlossenen Tür - wartet.Mit "Das Camp"setzt Linus Geschke seine Donkerbloem-Trilogie fort. Und obwohl der Campingplatz selbst diesmal nicht mehr so stark im Mittelpunkt steht wie im ersten Band, ist er trotzdem ständig präsent.Wie ein dunkler Schatten.Donkerbloem ist weniger Schauplatz als Erinnerung. Als Vergangenheit. Als etwas, das die Figuren miteinander verbindet und sie offensichtlich noch längst nicht losgelassen hat.Gerade das hat mir gefallen.Denn "Das Camp" versucht nicht einfach, "Der Trailer" noch einmal zu erzählen. Der zweite Band öffnet die Geschichte, verschiebt Perspektiven und führt die Figuren weiter. Das macht ihn eigenständig - und gleichzeitig spürt man auf fast jeder Seite, dass hier etwas fortgesetzt wird, das längst begonnen hat.Besonders schön war für mich das Wiedersehen mit den bekannten Figuren.Allen voran natürlich Wout.Exzentrisch, eigenwillig und alles andere als gewöhnlich. Eine Figur, bei der man manchmal den Kopf schüttelt und die einem trotzdem erstaunlich schnell ans Herz wächst.Auch Tayfun und die anderen wiederzutreffen, hat dem Roman für mich viel gegeben. Genau diese Figuren sind inzwischen ein wesentlicher Grund, warum die Donkerbloem-Reihe funktioniert. Man möchte nicht nur wissen, wie der Fall weitergeht - man möchte wissen, was aus diesen Menschen wird.Und genau da hat mich dieser Band stellenweise auch ziemlich erwischt.Einige Entwicklungen hätte ich mir persönlich anders gewünscht. Nicht, weil sie erzählerisch grundsätzlich falsch wären. Sondern weil man bestimmte Figuren inzwischen eben nicht mehr nur als Bestandteile einer Thrillerhandlung betrachtet.Man hängt an ihnen.Und wenn eine Geschichte dann Entscheidungen trifft, die einem als Leser nicht gefallen, ist das manchmal sogar ein Kompliment: Denn Gleichgültigkeit wäre schlimmer.Trotzdem bleibt bei mir an einigen Stellen dieses Gefühl zurück:Musste es wirklich genau so weitergehen?Vielleicht ist das auch der Grund, warum "Das Camp" von mir diesmal vier statt fünf Sterne bekommt.Die Geschichte ist spannend, die Atmosphäre stimmt und Linus Geschke versteht es erneut sehr gut, Misstrauen zu säen und seine Figuren in Situationen zu bringen, bei denen längst nichts mehr eindeutig ist.Aber im direkten Vergleich zu "Der Trailer" fehlte mir ein wenig von dieser ganz besonderen Donkerbloem-Beklemmung.Im ersten Band war der Campingplatz fast selbst eine Figur: abgelegen, geheimnisvoll, bedrohlich.Diesmal ist Donkerbloem eher ein Echo.Ein starkes Echo - aber eben nicht mehr ganz der Mittelpunkt.Was dafür deutlich stärker in den Vordergrund rückt, sind die Figuren und die Frage, welche Folgen die Vergangenheit für sie hat. Dadurch fühlt sich "Das Camp" für mich weniger wie ein abgeschlossener Thriller und stärker wie der Mittelteil einer größeren Geschichte an.Und genau deshalb möchte ich jetzt unbedingt wissen, wie Linus Geschke die offenen Fäden zusammenführt.Denn davon gibt es einige.Am 2. Oktober erscheint mit "Die Schlucht" das Finale der Donkerbloem-Trilogie.Und nach diesem zweiten Band bin ich vor allem auf eines gespannt:Welche Geheimnisse sind tatsächlich schon gelöst?Welche glauben wir nur gelöst zu haben?Und was wartet am Ende noch auf Wout und die anderen?¿Für Leser, die......"Der Trailer" gelesen haben und unbedingt nach Donkerbloem zurückkehren wollen....Thriller mögen, bei denen Figuren genauso wichtig sind wie der eigentliche Fall....eigenwillige Charaktere wie Wout ins Herz geschlossen haben....Geschichten schätzen, deren Vergangenheit wie ein dunkler Schatten über der Gegenwart liegt....kein simples Wiederholen des ersten Bandes erwarten, sondern eine Weiterentwicklung der Reihe....Trilogien mögen, bei denen sich die großen Zusammenhänge erst nach und nach zeigen.¿ Meine Zeile zum Buch"Donkerbloem liegt diesmal nicht im Mittelpunkt - aber sein Schatten reicht noch immer bis zu jeder einzelnen Figur."Fazit:Ein starker zweiter Band, der weniger von der unmittelbaren Donkerbloem-Atmosphäre und stärker von seinen Figuren und den Folgen der Vergangenheit lebt. Einige Entwicklungen hätte ich mir anders gewünscht - gerade weil mir diese Charaktere inzwischen nicht mehr egal sind.Und jetzt darf "Die Schlucht" bitte die offenen Fäden zusammenführen.