Kein Mond. Keine Sterne - Camp Donkerbloem, ein böser Ort, der böse Menschen anzieht?!
Wahnsinn ist das einzige Wort, das mir für diesen dritten Teil der Trilogie um Camp Donkerbloem eingefallen ist: Wir haben es hier nicht nur mit Wahnsinnigen zu tun, die sich an der Jagd auf Menschen ergötzen. Ein Wahnsinn ist auch die Geschichte, die uns im letzten Teil der Trilogie um das Camp Donkerbloem erwartet! Der Leser ist hier klar im Vorteil, weil er über mehr Wissen verfügt als die Ermittlerin Frieda. Klasse fand ich auch die Beziehung von Frieda zu Wout und umgekehrt beschrieben. Sie mögen sich absolut nicht und jeder wünscht dem anderen nur das Schlechteste. Beide konnten mich herrlich wütend machen, beide hätte ich gerne hin und wieder geschüttelt. Herrlich die Figuren um sie herum wie Tayfun, Kathinka und Milana, die herzerfrischend ausgleichend auf mich gewirkt haben. Zu Beginn hatte mich die Menschenfängerstory so sehr gepackt, dass ich die Drogengeschäfte von Wout zuerst als störend empfand. Aber da ahnte ich bereits, dass alles schon irgendwie seinen Sinn hat.
In Der Schlucht wird berichtet, wer diese Menschen eigentlich sind und welche Verganenheit sie zu diesen Menschen hat werden lassen. All das aus dem ersten Teil wurde hier noch weiter präzesiert, sodass man sehen konnte, wie sich die Charaktere weiterentwickeln. Die moralische Ambivalenz aller Figuren hatte auf mich einen ganz besonderen Reiz. Ich habe den Erzähl- und Schreibstil von Linus Geschke wirklich sehr genossen und all die vielen kleinen eingestreuten Details (in Teil 1 z. B. "Schatz") schrecklich geliebt.
Nebenbei bemerkt ein kleiner Input für Hunde- und Katzenfans: Wer hier wie gut und wer hier wie böse ist, sieht man daran, wie mit Hunden und Katzenhaaren umgegangen wird. Außerdem findet sich hier einer dieser zahleichen kleinen Details, die auf den ersten Blick so unscheinbar wirken, im Großen und Ganzen aber eine nicht unbedeutende Rolle spielen.
Die Moral von der Geschicht: Kenne deine Feinde, kenne deine Freunde, unterschätze sie nicht - und noch viel wichtiger überschätze NIE dich selbst! Das könnte übelst enden! Natürlich wünscht man sich immer, böse Geschichten mögen gut enden. Auf eine gewisse Art ist das hier tatsächlich der Fall. Aber wir Menschen müssen leider auch erfahren, dass sich nicht alles immer bis zum Ende erzählen oder aufklären lässt. Stattdessen müssen wir lernen mit solchen Situationen weiterzuleben, ohne die Vergangenheit zu vergessen. So wie es auch im Camp Donkerbloem ist: Es hat eine Vergangenheit, aber auch eine Zukunft. Ich möchte dem Autor von Herzen für all den Nervenkitzel und die sehr aufregende Reise ins Camp Donkerbloem danken und kann diese Trilogie nur wärmstens empfehlen!