Mit ¿Nachtlügen¿ versetzt Lisanne Surborg eine Nachtalb ins Zentrum eines düsteren Urban¿Fantasy¿Romans. Atmosphärisch dicht, träumerisch...
Mit "Nachtlügen" bringt Lisanne Surborg eine ganz eigene, nächtliche Fantasy¿Welt auf den Markt: Die Nachtalbe Isra lebt in einem düsteren Urban¿Fantasy¿Setting, in dem sie nachts in fremde Schlafzimmer schleicht, Träume stiehlt und daraus so zugeschnittene Albträume macht, dass sie sich anfühlen wie echte Realität. Die Nachtalbe können selbst nicht träumen und sind auf die Träume der Menschen angewiesen, um zu überleben - eine fragile Balance, die bei Isra schon seit längerem brüchig ist, seit durch einen ihrer Albträume ein Träumer gestorben ist und sie unter Druck gerät, aus der Albgesellschaft ausgeschlossen zu werden. Als sie außerdem mit einem verbotenen Klartraum in Berührung kommt, beginnt die Grenze zwischen Wirklichkeit und Halluzination zu verschwimmen und ihr Leben gerät völlig aus den Fugen.Mich hat der Roman von Anfang an gefangen gehalten: Trotz fast 400 Seiten habe ich "Nachtlügen" kaum aus der Hand legen können, bin schnell durch die Seiten gerutscht und habe am Ende oft fast hundert Seiten am Stück gelesen. Isra wirkt als Protagonistin sehr menschlich in ihren Zweifeln und ihrer Schuld, auch wenn sie keine echte Mensch ist, und gerade ihr Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester bleibt lange im Gedächtnis. Die Welt der Nachtalbe ist klar, aber fokussiert und eineprägt erzählt, ohne mit Erklärungen zu überfrachten, und die Intermezzos zwischen den Kapiteln geben genau das richtige bisschen Hintergrund, ohne den Lesefluss zu bremsen.Die Traumsequenzen sind dabei das eigentliche Highlight: atmosphärisch dicht, mal wunderschön, mal regelrecht beklemmend, und das Thema Klarträumen bringt eine zusätzliche Ebene in die Geschichte, die zeigt, wie sehr Träume hier als Machtinstrument, aber auch als Spiegel für Angst und Schuld funktionieren. Die Liebesgeschichte bleibt dezent, trägt sich gut in den Gesamtton ein und lenkt nicht von der zentralen Dynamik zwischen Isra und ihrer Schwester ab. Einige Nebenfiguren bleiben für meinen Geschmack etwas blass, einzelne Passagen ziehen sich, und das Ende wirkt für mich emotional etwas hinter dem Potenzial des Romans zurück, auch wenn es inhaltlich sauber abgeschlossen ist.Insgesamt ist "Nachtlügen" eine frische, ungewöhnliche Idee im Fantasy¿Genre, die eine nachtschwarze, träumerische Atmosphäre mit einer starken Protagonistin verbindet. Surborgs Stil zieht schnell in die Welt hinein, und die Mischung aus Albtraummotiven, nächtlicher Brutalität und emotionalen Familienkonflikten macht das Buch für mich zu einem echten Lesevergnügen. Wer Präternatural¿Urban¿Fantasy mit eckiger, etwas düsterer Atmosphäre liebt, wird hier definitiv seine Freude haben und ich bin gespannt, was von Lisanne Surborg noch folgt.