Da ich skandinavische Thriller und Krimis liebe, musste ich natürlich auch "Schattengast" von Malin Stehn lesen, erschienen im S. Fischer Verlag und übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Sofort zog mich die Autorin in den Bann der Geschichte, auch wenn es für mich eher ein Spannungsroman als ein Thriller war. Dies tat meinem Lesevergnügen keinen Abbruch.
Sandra feiert eine Party zu ihrem 40. Geburtstag und wird am nächsten Tag brutal in ihrer Waschküche ermordet aufgefunden. Dann springt das Buch von der Gegenwart in den Zeitstrahl vor diesem schicksalhaften Tag, und nach und nach erfahre ich aus verschiedenen Blickwinkeln, was zu dieser Tragödie geführt hat.
Strategisch äußerst geschickt streut die Autorin immer wieder Vernehmungsprotokolle der Polizei ein, die mich auf so manche falsche Spur führten. Der Plot ist gut durchdacht und klug konstruiert und weist keinerlei Längen im Storytelling auf.
Die Autorin zeichnet ein äußerst vielschichtiges Bild der Charaktere und schafft es, dass jeder von ihnen ein düsteres Geheimnis hat und nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch wenn ich nur Lejla, die Nachbarin, wirklich verstand und mich in sie hineinversetzen konnte, waren auch Sandra, das Opfer, und ihr Ehemann Jack sehr gut ausgearbeitet. Ich muss Charaktere nicht lieben, um ihnen zu folgen, und mag es, wenn sie Ecken und Kanten haben. Von daher verstand ich auch deren Gedankengänge und Handlungen, auch wenn ich mich nie so verhalten würde.
Am Ende hielt die Autorin noch einige Wendungen bereit, die ich so nicht kommen sah. Lediglich im Mittelteil bediente sich Malin Stehn etwas zu vieler Klischees, aber das können viele Leserinnen und Leser auch anders sehen.
Für mich war "Schattengast" von Malin Stehn eine spannende und intensive Lektüre, die ich mit 4 von 5 Sternen jedem weiterempfehlen kann, der gerne eher ruhigere Thriller liest und tief in die Abgründe einer augenscheinlich heilen Welt blicken möchte.