Es bleibt spannend.
Der Graf verfolgt die fliehenden Amazonen bis zum Verbotenen Wald. Den Frauen bleibt nichts anderes übrig als sich hinein zu schlagen, doch damit erwecken sie den Unmut der Alben. Als diese sie stellen und töten wollen geschieht ein Wunder: ein unbekannter Alb auf einem riesigen Adler stürzt vom Himmel, rettet die Amazonen und bietet ein Bündnis an. Der fremde Alb ist Fürst Maratian, ein Inselalb aus dem Süden. Er ist auf der Suche nach seiner Tochter.In der Stadt ist die Lage nicht viel besser. Kilian kämpft noch immer mit dem, was im Kerker passiert ist. Als sein alter Widersacher Frinn auftaucht und sich an ihm rächen will, erwacht diese eigenartige Kraft erneut und schleudert Frinn mehrere Mannslängen von Kilian fort. Meister Pregar gesteht ihm daraufhin, dass er schon seit frühester Kindheit Magie wirken kann und nur das Amulett aus Blei seinen Kräften Einhalt gebietet.Kilian ist entschlossen, mehr herauszufinden und seine Magie irgendwie unter Kontrolle zu bringen. Doch das ist leichter gesagt als getan ...Der zweite Teil der Halbgott-Saga beginnt genau da, wo der erste endete. Nach knapp einem Jahr war ich versucht, auch erst diesen zu lesen, doch glücklicherweise hat Helm an den Beginn dieses Buches eine Zusammenfassung gesetzt, der Re-Read, der sicherlich einmal kommen wird, musste also nicht sein.Die Handlung in diesem Band dehnt sich aus. Der Leser erfährt mehr über die Alben, über Kilian und die Amazonen. Nicht zu vergessen Geron, der dem Markgraf nachstellt, um mehr über das herauszufinden, was dieser plant.Die Alben sind sehr interessant geschildert, vor allem der Unterschied zwischen den Waldalben und den Inselalben, die sich vor Jahrtausenden abgesondert haben und jetzt in der Nähe des Südkontinents leben. Letztere benutzen keine Lieder mehr für ihre Magie, sie gehen direkter vor. Auch sind sie aufgeschlossener den Menschen gegenüber und sehen nicht in jedem eine potenzielle Gefahr. Zumindest, wenn Maratian kein Einzelfall ist.Als Leser lernt man in diesem Band auch die Festung der Amazonen kennen, die hoch auf einer Bergspitze liegt und schwer bis gar nicht angegriffen werden kann. Doch genau das plant der Markgraf in seinem noch immer unverständlichen Hass auf die Schwesternschaft.Kilians Handlung nimmt leider nur einen kleineren Part in diesem Band ein, doch sicher keinen uninteressanteren. So erfahren wir mehr darüber, wie seine Magie wirkt. Durch Maratian muss er zudem begreifen, dass er eine Ausbildung für seine magischen Fähigkeiten braucht. Mein Verdacht, dass er der im Titel genannte Halbgott sein könnte hat Helm dagegen einen Riegel vorgeschoben vorerst durch einen Albenzauber, den Maratian wirkt. Jedoch scheint ein Gott im Tempel ein- und auszugehen.Die Handlung bleibt spannend, auch wenn dieser Band "nur" der Zwischenband zum Finale ist. Helm gelingt es, seine Leser bei der Stange zu halten und am Rand des Sofas zudem. Man fiebert die ganze Zeit mit, jede Offenbarung, und sei sie noch so klein, ist ein Gewinn, der die Rätsel dieser Welt ein kleines Stück weiter aufdröselt. Es macht Spaß, das Buch zu lesen, so sehr, dass zumindest ich es kaum aus der Hand legen konnte und in einem Stück durchgelesen habe.Die Figuren sind weiterhin lebendig geschrieben und entziehen sich schnell der Vorstellung, dass sie Archetypen sind. Dazu sind sie schlicht zu fehlerbehaftet, was ein großer Pluspunkt dieses Buches ist. Die Charaktere wachsen und werden tiefer, und selbst ein Alb darf Liebeskummer haben. Eine sehr interessante Szene übrigens.Alles in allem bleibt eine spannende Fortsetzung des ersten Bandes, die man als Leser kaum aus der Hand legen mag. So soll Fantasy sein!