Junker Konrad Vonvald ist ein reisender Richter. Er spricht Recht dort, wo er benötigt wird, und verhängt Urteile, die gerecht sind. Mit ihm reisen die junge Schreiberin Helena und Brisinger, sein Vollstrecker.
Als sie in eine neue Stadt auf ihrem Weg kommen, erhalten sie gleich die Nachricht: eine Edle wurde ermordet aufgefunden. Vonvald nimmt die Ermittlungen auf und findet Abgründe, die er nicht für möglich gehalten hat
Ich hatte von dieser Trilogie gehört nur gutes darum habe ich sie mir zugelegt. Ich fand es interessant, gerade auch mit dem Hintergrund des Autors als Rechtsanwalt, eine doch eher ungewöhnliche Krimihandlung in einem Fantasy-Setting. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Erst einmal überraschte mich dieses Buch mit der Erzählperspektive. Der Leser erfährt die Handlung von Helena, der Schreiberin des Richters. Sie erzählt die Geschichte. Das fand ich schon einmal gewagt, gerade weil der Autor männlich ist. Viele männliche Schriftsteller können keine Frauen schreiben, die glaubhaft sind. Swan gelingt dieses Wunder sogar in der ersten Person. Was vielleicht auch nicht so überraschend ist, wenn man sich Helenas Vergangenheit als Waise und Straßenkind durch den Sinn gehen lässt. Natürlich denkt sie anders über das Geschehene als wäre sie irgendwo behütet aufgewachsen. Dennoch gelingt es Swan, die Weiblichkeit Helenas glaubhaft rüberzubringen.
Das zweite, was mich überraschte, war die Dichte der Welt, in der der Autor seine Geschichte angesiedelt hat. Ein hervorragendes Worldbuilding, man kann sich nicht nur den Handlungsort sehr gut vorstellen, sondern die ganze Welt, so wie sie beschrieben wird, bzw. den Teil der Welt, in dem die Handlung spielt.
Das Magiesystem ist interessant, wird aber nur wenig beleuchtet. Die fahrenden Richter verfügen alle über Magie, die ihnen bei ihren Ermittlungs- und Richteraufgaben helfen sollen. Vonvald besitzt neben der sogenannten Kaiserstimme, mit der er die, die er damit anspricht, zwingt, die Wahrheit zu sagen, auch die Nekromantie, er erweckt Tote kurzfristig zum Leben, um deren Aussagen hören zu können. Doch gerade der zweiten Gabe sind Beschränkungen auferlegt, die Vonvald auch selbst erklärt. Eine weitere Richterin, August mit Namen, kann Tiere beeinflußen, was ich mir ebenfalls interessant vorstelle.
Die Handlung ist durchsetzt mit Politik. Kein Wunder, immerhin wird hier über den Fall eines ganzen Reiches geschrieben. Swan weiß auch hier, wie er die Strategien und die Intrigen richtig schildert und spannend rüberbringt für seine Leser.
Ich muss gestehen, als Sherlock Holmes-Fan war ich sofort gepackt. Die erzählende Helena erinnerte mich doch sehr an Dr. Watson, was ich auch einen passenden Vergleich finde. Sie mag etwas selbstbewusster sein als der gute Doktor, stellt ihr Licht weniger unter den Scheffel als er es tat, dennoch ist es allein schon die Erzählweise und auch die Art der Handlung, die immer wieder Sherlock-Vibes aufkommen lässt.
Ein großes Lob möchte ich noch den Schlachtenszenen aussprechen. Die Action kommt beileibe nicht zu kurz in diesem Buch. Und auch hier brilliert Swan. Es mag ein wenig übertrieben sein an der einen oder anderen Stelle, aber die Action ist spannend und hat Sinn. Helena, Brisinger und Vonvald sind keine Übermenschen, sondern können genauso bluten wie alle anderen.
Alles in allem ein mehr als gelungener Erstling, den ich nur empfehlen kann. In der letzten Zeit sind Fantasy-Krimis ja öfter aufgetaucht. Wenn auch die anderen, die ich mir zugelegt habe, so gut sind wie dieser, dann bin ich höchst zufrieden.