Es war schon etwas her, dass ich Band 1 gelesen habe, trotzdem konnte ich gut in Band 2 hineinfinden und hatte den Ausgangskonflikt direkt wieder vor Augen.
Maggies Aschenputtelgeschichte verliert nicht an Reiz. Sie dachte, sie würde die Welt der Aristokratie jetzt kennen, aber im Palast des Herrschers James wird sie eines besseren belehrt. Das Luxusleben und die Regeln bei Hofe überfordern sie und dank ihrer naiven Art und ihrem zu großen Herzen stolpert sie in das ein oder andere Fettnäppchen.
Ich konnte ihre Überforderung bei Hofe sehr gut nachempfinden. Es war interessant zu verfolgen, dass im Haus des Königs eine ganz andere Sprache gesprochen wird: Alles, was man sagt, kann gegen einen verwendet werden, und man sollte niemals den König widersprechen. Die etwas herrische Art von James hat mir teilweise nicht gefallen, auch wenn ich wusste, dass seine Machtposition von ihm verlangt, dass er vor anderen nicht nachgibt. Auch die Liebesgeschichte verlief anfangs etwas zu glatt für meinen Geschmack und ich habe mich gefragt, welcher Konflikt noch auf die Charaktere zukommen könnte, wenn alles so harmonisch läuft. Da ich aber schon diverse andere Bücher der Autorin gelesen habe, wusste ich, dass ich mich auf konfliktreiche Wendungen freuen darf. Die Spannungskurve nimmt in der ersten Buchhälfte sehr langsam Fahrt auf, um dann gegen Ende rasant anzusteigen, sodass man auf einen unaufhaltsamen, großen Endkonflikt zusteuert.
Da aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, schaut man immer jemand anderem über die Schulter und wird so über die Intentionen der einzelnen Charaktere aufgeklärt. Das Ganze setzt sich wie ein Puzzle aus Beziehungsdynamiken zusammen. Es hat mich gefreut, auch Charaktere im Alltag zu begleiten, die in Band 1 eher Randfiguren waren, mir aber sehr zugesagt haben, wie Maggies Bruder Darius. Dadurch bekam ich weitere Hintergrundinfos, konnte die Handlungen der Charaktere besser nachvollziehen und Vermutungen anstellen, wie sie wohl auf bestimmte Situationen reagieren würden, kurz gesagt: Ich konnte sie besser einschätzen.
Eine schöne und wie ich finde auch sehr wichtige Ergänzung neben den Intrigen bei Hofe ist der Zusammenhalt von Maggie und ihren beiden Bezugspersonen Darius und Amie. In einer Welt, in der man niemandem trauen kann, ist auf die beiden einfach immer Verlass. Sie sind eine feste Konstante in Maggies Leben, geben ihr Rückhalt und ein offenes Ohr. Auch mir sind die beiden mittlerweile ans Herz gewachsen und ich kann mir die Geschichte ohne sie gar nicht mehr vorstellen.
Die Autorin hat es wieder geschafft, interessante Charaktere zu erschaffen: Nicht nur die Protagonisten, auch die Antagonisten sind spannend gestaltet, sodass es richtig Spaß macht, über sie zu lesen. Man fragt sich: Wie weit gehen sie noch, um ihre Ziele zu erreichen? Welcher Komplett erwartet mich als nächstes? Die Reihe hat ein hohes Unterhaltungspotential und zieht einen einfach immer wieder aufs Neue in ihren Bann.