Als vermeintliche Antwort auf die multiplen Krisen des gegenwärtigen Kapitalismus und im Kontext der zunehmenden gesellschaftlichen Autoritarisierung finden sich im gesellschaftlichen Diskurs Konjunkturen der Anrufung einer scheinbar präpolitischen und vorgesellschaftlichen 'Natürlichen Ordnung'. Aus einer biologistischen und binären Logik heraus soll eine zutiefst heteronormativ vergeschlechtlichte, rassifizierte, klassistische und ableisierte Gesellschaftsordnung qua 'Natur' konstituiert und legitimiert werden. Der Sammelband Über die 'Natürliche Ordnung' nähert sich dieser aus Perspektiven queer_feministischer Gesellschaftstheorie an und verfolgt dabei ein doppeltes Ziel: Zum einen analysieren und kritisieren die Autor:innen die Anrufung einer vermeintlich 'Natürlichen Ordnung' als spezifische Konstellation bürgerlich-kapitalistischer, kolonialer Herrschaft und fragen zugleich nach darin eingelagerten Möglichkeiten der Emanzipation. Damit schreibt der Band weiter an einer Tradition kritischer Gesellschaftstheorie, die sich zugleich als Subjekttheorie versteht, und immer wieder verdeutlicht: Das Natürliche ist gesellschaftlich! - und ist als solches zu kritisieren und zu verändern.