Schreibstil:
Was ich immer etwas wild finde: Wenn Figuren rein aus Beobachtung super viel an anderen Ablesen können. Die meiste Zeit finde ich das noch voll im Rahmen. Es gibt schließlich wirklich lesbare Mimik und Gestik. Allerdings ist es doch manchmal etwas drüber und es werden Gedanken und Absichten in Mimik und Gestik interpretiert, die schon ziemlich weit hergeholt sind. Ein bisschen war das auch hier der Fall. Gerade Arren konnte super viel aus Serenity lesen, was er eigentlich nicht direkt wissen hätte können.
Ansonsten aber fand ich den Schreibstil wirklich gut. Sehr flüssig, aber irgendwie auch sehr ruhig, sodass man der Geschichte mit Spannung und genug Zeit folgen konnte. Ich mochte es, dass es viele Dialoge gab und auch gar nicht so viel abseits der eigentlichen Handlung erzählt wurde. So war ich die ganze Zeit direkt bei den Hauptfiguren und konnte auch deren Emotionen gut nachempfinden.
Die Geschichte Von der Gemobbten zur Rachekönigin
Für einige bedeutet der Start des Studiums einen Neuanfang, für Serenity bedeutet er schlicht eines: Es ist Zeit für Rache. Alles auf null, keiner kennt sie, keiner will sie kennen, keiner hat es auf sie abgesehen. Aber ist das wirklich so? Und wie nimmt man überhaupt Rache an Menschen, die mehr Geld als die meisten besitzen?
Das Setting der Geschichte ist also die Livingston University, an der Serenity ihr Jurastudium beginnt und an der die reichsten jungen Erwachsenen des Landes studieren. Macht, Prestige und Grenzüberschreitungen sind demnach geradezu an der Tagesordnung. Und genau das ist das Setting, in das Serenity, die Hauptfigur, aus deren Perspektive hauptsächlich erzählt wird, ganz unfreiwillig hinein gezwungen wurde. Das größte Thema, das sie beschäftigt: Wer reich ist, braucht keine Strafe zu fürchten. Wer arm ist, braucht gar nicht daran denken, sich wehren zu können.
Die zweite POV bildet Arren Carver, Serenitys zukünftiger Stiefbruder und schwarzes Schaf der Familie. Sein Ziel ist es, herauszufinden, wie und wieso seine Schwester gestorben ist. Und auch er fühlt sich in dem Setting keineswegs wohl. Aber ob er deshalb auf der gleichen Seite wie Serenity steht?
Serenity tief traumatisiert und ganz alleine auf der Welt
Serenity mochte ich sofort, weil sie unheimlich nahbar beschrieben wurde. In der Vergangenheit wurde ihr Gewalt angetan, die sie nicht vergessen kann und ich konnte jeden Gedanken daran nachempfinden. Der Schmerz, die Pein, die Hilflosigkeit sowas kann man gar nicht vergessen. Das hat sie mir gut vermitteln können und das war entscheidend dafür, alles weitere besser nachempfinden zu können. Denn obwohl ich Rache absolut nicht ausstehen kann und schon einige Bücher gelesen habe, in denen ich das Motiv mehr als problematisch fand, war es hier irgendwie viel natürlicher und für mich besser aushaltbar. Vielleicht auch, weil alle anderen sowieso so reich sind und gar nicht erst wesentlich menschlich dargestellt wurden.
Ansonsten fand ich die Entwicklung von Serenity super gut gemacht. Sie legt keinen Vormarsch hin, der sich mit Anfangs- und Endpunkt beschreiben lässt, stattdessen ist es mehr ein ständiger Anstieg von Selbstbewusstsein und Selbstfindung. Da das nicht linear passiert, gibt es Schwankungen. Sie zweifelt, sie muss in einigen Situationen doch wieder den Mut finden, sich zu wehren, sie muss sowieso erst lernen, sich überhaupt zu wehren, nachdem ihre Strategie zuvor immer eine ganz andere war. Diesen Zwiespalt und diese Entwicklung fand ich einfach sehr gut dargestellt. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass es gekünstelt wäre, stattdessen machte gerade diese Inkonsistenz es sehr viel authentischer. Und jede Handlung so viel nachvollziehbarer.
Arren großer Bruder ohne Familie
Irgendwo braucht es immer diesen dunklen, geheimnisvollen Typen, der ein Schwert einwandfrei führt und irgendwie ein bisschen arschig, aber auch beschützerisch und süß ist, oder? Arren ist auf jeden Fall genau so einer. Und jedes Mal brauche ich immer erstmal den Anstoß, diesen Klischeetypen auch kennenlernen zu wollen. Bei Arren hat es da gar nicht lange gebraucht, weil er sich schnell sehr sensibel zeigt. Seine Motivation sind seine Mum und seine Schwester, seine Faszination ist Serenity, die er ziemlich schnell durchschaut. Und auch, wenn er es nicht zugibt, beweist er dabei gutes Bauchgefühl und regelrechte Gentleman-Manieren. Er ist derjenige, der neben dem Rachemotiv ein wenig in Darkness in die Geschichte bringt, aber stets so, dass er Serenity eher in ihrem Sein bestärkt, statt sie nieder zu machen. Sowas freut mich immer wieder zu lesen, weil Dark Romance am Ende genau das für mich ist: Über Grenzen hinaus zum tiefsten Innersten. Und nicht, um daran zu zerbrechen. Und genau das beweist Arren auch.
Und gleichzeitig hat auch er sein Päckchen zu tragen, dass ein wenig im Hintergrund mitschwingt und ihm eine Tiefe verleiht, die wahrscheinlich besonders in Band 2 zum Tragen kommt, wenn Serenity und er sich ein bisschen besser kennen. Denn ganz dem geheimnisvollen Typ entsprechend, agiert er eher verschlossen und ist somit ein weiterer Spannungsfaktor der Geschichte.
Rache und ein Mord wer bleibt verschont?
Was ich an der Geschichte sehr mochte war, dass die Spannung durchweg vorhanden war. Und das durch ganz verschiedene Faktoren. Einmal durch Serenity, bei der ich lange überhaupt nicht wusste, bis wohin sie zu gehen bereit ist. Dann Arren, bei dem man nicht weiß, was er letztlich von Serenity will und was er im Hintergrund noch abzieht. Weiter gehts mit Nebenfiguren, die die Handlung auch immer wieder aufmischen und vor allem einige Gefühle durcheinanderbringen. Und ganz im Vordergrund natürlich die Lovestory, die sich aus Spice und Spannung aufbaut und keineswegs vanilla daherkommt. Ich mochte es sehr, dass sie gar nicht so voran preschte, sondern sich eher ruhig verhielt, sodass ich echt noch alles andere drumherum ebenso in mich aufsaugen konnte. Den vollen Vibe von Geheimnissen, Macht, Hilflosigkeit und eben Rache.
Das hier ist kein lautes, dramatisches Buch, dafür aber eins, dass einem Rache gut verkaufen kann und sämtliche Facetten davon inkl. der Gefühle der Figuren und noch vieles mehr gut darstellt und authentisch rüberbringt. Damit ist es eine ziemlich intensive Geschichte, auf deren Fortsetzung ich mich unheimlich freue.
Ich bin jetzt einfach sehr gespannt, was im zweiten Band kommen wird, denn das Geheimnis, um das es geht, scheint jetzt noch sehr viel größer. Ich denke, gerade, weil Arren und Serenity jetzt schon eine Basis haben, wird es nochmal viel mehr ums Eingemachte gehen.
Fazit:
Für mich ein absolut gelungener Reihenauftakt mit düsterem Vibe, authentischen Protagonisten und einem Rachemotiv, dass die Handlung zwar ausmacht, aber nicht dominiert. So hat das langsame Erzähltempo, der düstere Spice und die vielen Geheimnisse einen echten Pageturner geschaffen, der sich leicht lesen lässt und dennoch intensiv im Kopf bleibt. Ich freue mich auf Band 2!
Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen:
1. Eine Dark Romance, in der Rache nicht so krass abstößt
2. Morally Grey Hero trifft starke Heldin
3. Spannung bis zur letzten Seite