Zur Info: Dies ist der zweite Band einer Dilogie. Lest also unbedingt erst Band 1. Die Rezi dazu findet ihr hier: klick.
Schreibstil:
Ich weiß manchmal nicht so genau, was ich dem Schreib- und was dem Erzählstil zuordnen soll. Also schreibe ich jetzt einfach meine Gedanken nieder und ihr ignoriert einfach ein wenig die Überschrift:)
Das Buch ließ sich flüssig und gut lesen. Ich hatte keine Probleme, der Handlung zu folgen. Was ich etwas schade und leider auch mehr als problematisch fand, war, dass der Schreibstil sehr viel Abstand zu seinen Figuren nahm. Es fühlte sich alles etwas sehr erzählt und weniger erlebt an. Über die Figuren wurde etwas gesagt, ohne es zu zeigen. Und das fand ich besonders auf Dauer echt befremdlich, denn ich hatte fast das Gefühl, als dürften die Figuren nicht eigenständig handeln. Besonders Serenity.
Im ersten Band ist mir dies irgendwie nicht ganz so aufgefallen, hier dagegen war es sehr auffällig.
Zudem wurde viel Abstand dadurch erzeugt, dass viele Figuren (u.a. Serenitys beste Freundin) oft nur mit Nachnamen erwähnt wurden. Ja, ich weiß, dass das in Amerika durchaus ein Ding ist. Aber unter Mädels meiner Erfahrung nach nicht und schon gar nicht, wenn es ihre beste Freundin ist. Dazu macht manchmal auch der Ton die Musik und der war in diesen Szenen definitiv nicht so freundschaftlich und nahbar, wie es eigentlich sinnvoll gewesen wäre.
Die Geschichte wer will hier eigentlich Rache?
Erzählt wird aus den Perspektiven von Serenity und Arren, wobei dieses Mal tatsächlich Arren mehr Raum bekam. Es geht quasi nahtlos weiter, weshalb ich sehr schnell wieder in der Geschichte drin war. Das Thema Rache spielt natürlich auch hier eine große Rolle und nachdem im ersten Band alles noch etwas sortiert werden musste, ist nun Serenity diejenige, die im Fokus steht. Möchte sie überhaupt Rache? Was bringt es ihr? Und ist sie die Einzige, die das Recht dazu hat?
Gerade im Hinblick auf ihre Beziehung zu Arren sind das Fragen, die hier ausklamüsert werden müssen. Und tatsächlich ist ja auch immer noch nicht klar, wer nun hinter allem steckt. Jedenfalls nicht für Arren. Ein kleines Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem Serenity dieses Mal aber nicht allein ist.
Was ich von Anfang an etwas schade an diesem Buch und der erzählten Geschichte fand, war, dass die Liebesgeschichte nicht viel Platz in Gedanken und Handlungen bekam. Zwar sind die beiden immer zusammen und merken auch ihre tiefer werdenden Gefühle, aber bei mir als Leserin kam es leider nicht an. Es fehlten die zweisamen Momente, in denen es nicht darum ging, ob Serenity nun eine Kämpferin ist oder nicht. All das, was ich in Band 1 so schön fand die Gefühle, die ausgesprochen und überlegt werden, die Platz in ihrer Gänze bekommen fehlte hier leider. Stattdessen habe ich, wenn ich an dieses Buch denke, nur Arren im Kopf.
Arren, der überlegt, was für Serenity das Beste ist. Arren, der für Serenity irgendwas klärt. Arren, der feststellt, dass sie etwas alleine tun muss und sich dann komplett die Macht herausnimmt, zu entscheiden, wann er eingreift. Bis dahin soll sie es bitte alleine durchmachen, auch wenn sie möglicherweise traumatisiert wird.
Serenity ordnet sich diesem ganz natürlich unter, ohne dass es zum Thema wird, denn die Grundsätze aus Band 1 sind schon noch vorhanden. Es soll alles freiwillig sein, es geht nicht um Bevormundung, nicht um Grenzen. Nur leider schafft die Autorin hier nicht die richtige Balance. Arren ist so bemüht darum, Serenity Freiheit zu geben und Serenity so darin, neben ihm als eigenständige Person aufzutreten, dass sie sich leider viel zu sehr bemühen und dabei total in die falsche Richtung driften.
Keine Ahnung, was Serenity in diesem Buch wirklich gedacht hat, denn eigentlich habe ich sie nur durch Arren erlebt. Er interpretiert sie für uns und auch alle anderen. Ein Augen zusammenkneifen: Arren weiß die Antwort. Ein Zögern: Arren weiß die Antwort. Dabei bin ich mir sehr sicher, dass ich durchaus in der Lage gewesen wäre, dies selbst in der jeweiligen Situation zu deuten. Und selbst, wenn ich mich gewundert hätte oder es nicht gleich gewusst hätte, dann wäre das doch eigentlich spannender gewesen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Geschichte durch dieses Deuten von teilweise auch sehr offensichtlichen Gesichtsausdrücken und co unheimlich langatmig geworden ist.
Serenity verliert sich oder hat man mir das nur falsch interpretiert?
Die Hauptfrage in Bezug auf Serenity: ist sie eine Kämpferin oder nicht? Leute, ehrlich gesagt kann ich das Wort Kämpferin nicht mehr lesen. Warum muss sie es überhaupt sein? Warum muss es ausdefiniert werden? Warum kann sie nicht einfach sein wie sie ist und sich weiterentwickeln zu Stärke und Selbstbewusstsein? Stattdessen geht es immer nur ums Kämpfen und darum, ob Serenity es alleine tun soll oder will oder eben nicht.
Ganz wild wurde es, wenn sie dann plötzlich ihre fünf Minuten hatte, in denen es war, als würde sie durch ihren bösen Zwilling ausgetauscht. Auf einmal war da kein Zögern mehr und alle hatten Angst vor ihr. Arren nennt es, sein Rage Girl. Und ja, ich kann verstehen, dass sie ihren Weg erst finden muss. Ich kann verstehen, dass eine Entwicklung nicht geradlinig verläuft und das sie in einigen Momenten vielleicht mehr Mut verspürt als in anderen und auch, dass sie vielleicht manchmal von ihrer Wut getrieben wurde. Aber bei ihr kam das so plötzlich, dass es fast wie eine zweite Persönlichkeit wirkte. Und dadurch fühlte es sich für mich nicht so an, als würde Serenity sich entwickeln, sondern eher das ungesunde Rage Girl in ihr erwachen.
Was ich außerdem schade fand war, dass Serenity in diesem Buch echt nicht viel Platz in der Handlung bekam. Sie hatte wenige richtig starke Szenen. Stattdessen wurde sie immer nur durch Arren und auch ihre anderen Freunde angeleitet. Da fehlte mir einfach Persönlichkeit. Auch in Bezug auf die Rache. Denn eigentlich kam es für mich so rüber, als wäre Serenity mittlerweile ziemlich über die Geschehnisse hinweg und die Rache kam mir deshalb immer unnötiger vor. Dabei bin ich mir sicher, dass genau dieser Eindruck nicht erzeugt werden sollte. Durch die Geschichte mit Arrens Schwester und Arrens eigenen Gedanken wurde die Gewichtung aber irgendwie leider so verlagert.
Die Rache wo hört Vergeltung auf und wo beginnt Gewalt?
Die eigentliche Handlung der Geschichte liegt in dem Motiv der Rache an einer Clique von Serenitys ehemaliger Schule. Alles okay, deshalb lesen wir dieses Buch überhaupt. Was ich aber komisch an dem Ganzen fand, war, dass alle immer direkt vom Töten sprachen. Ich habe schon von Geschichten gehört, in denen gemobbt wurde. Manchmal bis zum Tod, weil Traumata, Depressionen und dadurch Selbstmordgedanken ausgelöst wurden. Aber selten haben Teenager jemanden vorsätzlich getötet. Das ist psychotisch, krank. Und Mord. Entsprechend sollten sie bestraft werden.
Hier kommt es mir ein wenig so vor, als wäre das Ganz nicht komplett durchdacht, denn Töten war hier nichts, was irgendwen abschreckte. Weder die Mobber, noch Serenity, Arren oder eine der Nebenfiguren. Und das fand ich dann doch etwas krass. I mean: Wie kann man sich über etwas aufregen, was man dann selbst genauso tut?
Und ja, ich weiß, dass das hier Dark Romance ist. Aber ehrlich gesagt kommen Serenity und Arren ansonsten alles andere als dark rüber. Serenity ist verletzt, Arren trauert, das sind normale Gefühle. Warum muss hier so übertrieben werden? Es passte für mich einfach nicht in den Kontext. Aber vielleicht finde auch nur ich das hier so befremdlich.
Etwas schade fand ich auch, dass sich die Geschichte sehr begrenzt hält, was andere Figuren angeht. Sowohl Serenitys Mutter als auch Arrens Kampftrainer scheinen gar keine richtigen Charaktere zu haben. Sie sind bloße Erwähnung, dabei haben sie die beiden wesentlich geprägt. Da hätte ich mir irgendwie noch ein paar Szenen gewünscht, die auch Tiefe in die Backgroundstorys der beiden reingebracht hätten.
Fazit:
Leider hat mir dieser Band nicht so gut gefallen wie Band 1. Die Grundidee fand ich weiterhin spannend, aber die Figuren und besonders die Liebesgeschichte blieben für mich zu distanziert. Vieles wurde erzählt, statt dass ich es selbst mit den Figuren erleben konnte, wodurch mir gerade emotional einiges gefehlt hat.
3 von 5 Sterne von mir.