Annika Lau
"Das Leben mit einem ADHS-Kind ist jeden Tag wie eine Wundertüte"

ANNIKA LAU


Annika Lau, geboren 1979, ist bekannt als Fernseh- und Radiomoderatorin. Sie arbeitete 16 Jahre bei Sat.1 und moderierte unter anderem das Frühstücksfernsehen. Danach wechselte sie zu RTL und war von 2022 bis 2026 Moderatorin von Gala. Annika Lau ist mit dem Schauspieler Frederick Lau verheiratet. Das Paar hat eine Tochter und zwei Söhne.
"Ihr Kind ist anders"
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Buch (kartoniert)
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Moderatorin Annika Lau erzählt von ihrem Sohn mit ADHS, vom schwierigen Weg bis zur Diagnose und was diese für das soziale Umfeld bedeutet. Dabei zeigt sie Strategien im Umgang mit ADHS und sein Potential zur Superkraft. Ergänzt wird ihr Bericht von Dr. med. Klaus Skrodzki, Experte für ADHS.
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Interview mit Annika Lau

Moderatorin Annika Lau will mit ihrem Buch über die neurologische Krankheit ihres Sohnes Verständnis auch für andere Betroffene wecken


Wie ging es Ihnen, als erstmals der Verdacht geäußert wurde, Ihr Sohn könnte ADHS haben?
Das erste Mal ADHS habe ich ja direkt mit der Diagnose gehört. Vorher hatten wir zu tun mit der sensorischen Integrationsstörung und Hilfestellung in jedweder Art und Weise. Ich erinnere mich noch, dass ich mich gefühlt habe wie eine Versagerin. Als hätte ich als Mutter etwas falsch gemacht. Dabei ist das ja keine falsche Erziehung, es ist eine neurologische Krankheit, die vererbt wird.

Was hat sich durch die ADHS-Diagnose für Sie als Familie verändert?
Wir mussten mehr Verständnis füreinander entwickeln. Das Leben mit einem ADHS-Kind ist jeden Tag wie eine Wundertüte. Du weißt nie, was du bekommst. Manchmal hast du ein gelassenes, witziges Kind. Und manchmal ein komplett verängstigtes, scheues Kind. Was aber immer der Fall ist: Es ist lauter als in anderen Familien. Und es wird viel diskutiert. Denn die anderen beiden Kinder fordern ja auch ihr Recht auf Mamazeit ein.

Wie geht Ihr Sohn selbst mit der Diagnose um?
Mein Sohn ist einfach ein erstaunliches Kind. Er nimmt ADHS oft selbst wahr und kann fantastisch benennen, wie es ihm in den jeweiligen Situationen geht. Das hilft uns allen weiter und ist seiner therapeutischen Unterstützung zu verdanken. Wenn er seine Unruhe fühlt, weiß er gut damit umzugehen. Er ist sehr sportlich und eigentlich den ganzen Tag draußen. Bewegung ist für ihn alles!

Was hat Ihrem Sohn - und Ihnen als Familie - im Alltag mit ADHS am meisten geholfen?
Struktur. Mit einem sehr engen Strukturkorsett weiß jeder genau, was wann zu tun ist. Daran kann sich Baz orientieren. Das gibt ihm Sicherheit und uns erspart es die ein oder andere Diskussion. Das hilft dem Familienfrieden SEHR!

Wie erleben Sie das Verständnis im Umfeld - und was hilft, damit mehr davon entsteht?
Mein Parade-Hass-Beispiel ist essen gehen. Natürlich ist das speziell für meinen Sohn herausfordernd. Er gibt sich Mühe, aber trotzdem kommen durch den ungewohnten Ort Unruhe und Zappeligkeit auf. Dann muss er erstmal gucken gehen, wie und wo er genau ist. Gern auch unter dem Tisch. Dann fällt vielleicht noch ein Glas um. Die Beine knallen aus Versehen lautstark an den Stuhl oder Tisch und schon drehen sich Leute um und schütteln den Kopf. Meist prallt das an mir ab. An manchen Tagen schäme ich mich aber und bekomme Fluchtgedanken. Ich wünschte mir mehr Verständnis für besondere Kinder. Sie können nicht anders! Deshalb habe ich auch dieses Buch geschrieben. Um diese neurologische Erkrankung ein bisschen aus Sicht einer betroffenen Mutter zu beschreiben.

Viele Erwachsene bekommen erst spät eine ADHS-Diagnose und verstehen dadurch ihre eigene Kindheit neu. Kennen Sie erwachsene Betroffene, deren Erfahrungen Ihnen geholfen haben, Ihren Sohn besser zu verstehen?
Oh ja! Ich kenne genug Erwachsene mit ADHS. Und ich finde es immer wieder witzig, mich mit Ihnen zu unterhalten. Sie sind in der Lage, die tiefsten und interessantesten Sachen zu sagen. Von ihnen bekomme ich den meisten Input. Man muss nur selbst auch in der Lage sein, von einem Thema zum nächsten zu springen. Seit ich Mutter bin und mit meinen Freundinnen Gespräche über Wochen hinweg führe, weil wir ständig unterbrochen werden, kann ich das. Und ich schätze das immense, breite Wissen sehr! Das Chaos macht mir zwar zu schaffen, aber ADHS-Betroffene sind trotzdem sehr liebenswert.

Was möchten Sie den künftigen Leser:innen Ihres Buches mitgeben?
Lesen Sie dieses Buch mit Ihrem Herzen. Und schenken Sie das nächste Mal, wenn Sie ein derartiges Kind sehen, lieber ein verschmitztes Lächeln und ein Augenzwinkern als ein Kopfschütteln oder Augenrollen. Die Kinder werden genug abgelehnt. Seien Sie anders. Danke!

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