Teilweise fehlen Einordnung und Reflexion. Was in den Schützen vorgeht, erfährt man nicht.
"Ich knall euch ab" wurde in kurzen Absätzen erzählt, in denen das Umfeld von Gary und Brendan von ihren Erfahrungen mit den beiden Amokschützen berichtete. Sie selbst kamen leider nur über ihre Abschiedsbriefe zu Wort (die seltsamerweise erst häppchenweise eingestreut und später noch einmal identisch in Gänze abgedruckt wurden). Bei einem solche Roman fände ich gerade interessant, die Täterperspektive zu beleuchten.Im Nachhinein wollte selbstredend jeder irgendwelche Anzeichen gesehen haben, die Gary und Brendan als Irre auswiesen. Spätestens, da Jugendliche - wie sie es taten - mit Waffen herumfuchteln und dabei Andeutungen machen, eine Gewalttat zu planen, hätte jedoch definitiv etwas unternommen werden müssen. Vielleicht gilt dies in den USA eingedenk der laschen Waffengesetze aber auch als ein Akt pubertärer Rebellion.Zwar war der Roman als Tatsachenbericht, abgefasst von Garys Stiefschwester Denise Shipley, aufgezogen, allerdings gab es keine Erzählerkommentare, die handfeste Fakten lieferten. Man hatte nur das Wort der von ihr aufgesuchten Schüler und Lehrer.Gerade weil es sich um ein Jugendbuch handelte, hätte ich mir einige Passagen stärker eingeordnet gewünscht, denn insbesondere das Mobbing an Gary und Brendan wurde von manchen der Interviewten heruntergespielt. Ein Footballer meinte etwa, sie haben nichts anderes getan, was nicht Tausende andere Jungen an Highschools in ganz Amerika mit den Unbeliebten anstellen.Der Amoklauf selbst war richtigerweise der Höhepunkt der Geschichte. Ich fand ihn eindrücklich geschildert; für Jugendliche waren die Passagen keinesfalls zu brutal, denn Gary und Brendan töten (außer sich selbst) niemanden.Einzig das Ende kam mir nicht vor wie ein richtiger Abschluss, es war mir zu schwebend. Das Nachwort, in dem auf einen (bei Erscheinung aktuellen) deutschen Amoklauf eingegangen wurde, fand ich hingegen interessant.Fazit: "Ich knall euch ab" kann man zwischendurch rasch lesen, mir fehlte indes ein Protagonist als Reflexionsfigur und eine Innensicht der Schützen.