Empfehlenswert für Leser, die sich für die Geschichte Roms interessieren, für andere wahrscheinlich in Summe zu umfangreich
Dieser dritte und letzte Band der Cicero-Trilogie von Robert Harris erschien im Original 2015 unter demselben Titel. Sie behandelt die Jahre 58 - 43 v. Chr., beginnt also mit Ciceros Flucht aus Rom und endet mit seinem Tod im Jahr 43 v. Chr.. Berichtet wird wie bei allen drei Bänden aus der Sicht des Sklaven und Sekretärs Ciceros, Tiro, dessen Stellung diesmal zu Diskussionsbedarf bzw. Fassungslosigkeit führt - weiter unten mehr dazu. In diesem Band geht es um Ciceros zunehmende Bedeutungslosigkeit aufgrund der Machtübernahme durch das Triumvirat aus Caesar, Pompeius und Crassus, seine Zeiten im Exil und den Untergang der römischen Republik und der Name des Buches verrät es, den Übergang in eine Diktatur mit Gaus Julius Caesar als erstem Diktator. Und um Ciceros zeitweilige Wiederauferstehung als wichtiger Akteur der römischen Geschichte.In diesem dritten Band verliert Cicero einiges von seiner Erhabenheit, Souveränität und Überlegenheit. Er wird, abgesehen von seinen philosophischen und literarischen Leistungen, zu einem ganz normalen Menschen, der Kompromisse eingehen, nachgeben, sich lieb Kind machen und taktisch vorgehen muss. Es ist Robert Harris hoch anzurechnen, dass er hier nicht lediglich ein Heldenepos geschrieben hat, sondern auch Ciceros negative Eigenschaften herausgearbeitet hat, auch wenn natürlich nach so langer Zeit ein gutes Teil Spekulation dabei ist.Es gibt einen, wie ich finde, aus heutiger Sicht witzigen Satz, bei dem es um eine damalige Sitte beim Essen geht: "Wegen seiner Verwundung konnte es sich Dolabella beim Abendessen nicht auf einer Speiseliege bequem machen, sondern musste wie ein Barbar auf einem Stuhl sitzen." (Heyne Tb, 02/2017, S. 323)Und ein schöner Satz aus einem von Ciceros Briefen an Atticus hat für Leseratten auch heute noch Gültigkeit: "Ich habe meine Bücher eingeräumt, und schon hat mein Haus eine Seele." (ebd., S. 393)Einen dicken, fast unglaublichen Bock schießt der Autor damit, dass er Cicero seinen Sklaven, Sekretär und Assistenten Tiro nach einer Grippeerkrankung desselben freilässt (Heyne Tb "Dictator", 02/2017, S. 172/173), obwohl er diesen bereits im Band "Titan" freigelassen hatte (Heyne Tb "Titan", 2. Aufl. 05/2011, S. 522/523). Wie kann denn sowas passieren? Wie können Autor, Übersetzer und Lektor alle so dermaßen pennen?Insgesamt verfällt dieser Band ein wenig zu sehr in die Berichtsform. Das wirkte auf mich dadurch an der ein oder anderen Stelle daher etwas oberflächlich. Aber der Roman ist für an der Geschichte Roms Interessierte trotzdem sehr lesenswert und so manches kann man mit der Wikipedia auch noch vertiefen. Ich würde jedoch unbedingt empfehlen, die Bände in der chronologischen Reihenfolge zu lesen. Drei Sterne.