Fesselnd und spannend, authentisch und deep - Schreibstil entsprechend Anfang/Mitte des 19. Jhdts
Den Roman wollte ich schon seit Jahren lesen - einfach, um ihn mal gelesen zu haben. Die großartige Serie auf Disney hat mich letztlich nochmal dazu angestachelt. Das fast 1000seitige Buch wurde ca 1844-46 verfasst, entsprechend "altmodisch" liest es sich natürlich, das ist klar. Trotzdem konnte ich sehr gut folgen, es war verständlich und stilistisch sehr gut gemacht. Bei dem Schreibstil hat mich besonders der sehr emotionale Aspekt überrascht, wenn es um Romance Szenen mit Mercedes ging, das hat mich richtig berührt. Der Roman handelt zu 90 % von Rache. Beinahe-Kapitän Edmond Dantès wird an seinem Hochzeitstage aufgrund einer aus Neid und Eifersucht resultierenden Intrige dreier Männer vehaftet. Ganze 14 Jahre verbringt er auf einer abgelegenen Gefängnisinsel. Erst nach ca 7 Jahren beginnt er, einen Tunnel zu graben, weil ein anderer ihn auf die Idee brachte - ich hatte dieses augenrollende Gefühl, eine Frau hätte direkt begonnen und wäre nach der Hälfte der Haftzeit draußen ¿ Die Zeit mit Abbé hat ihn und mich als Leserin geprägt, sein Ende hat mir das Herz gebrochen. Diese Kapitel waren hart, authentisch, emotional und auf Edmonds Innenleben ausgelegt. Erst nach seiner Flucht und dem Fund des Schatzes geht es richtig zur Sache. Als reicher Grad kehrt er unter falschem Namen zurück nach Marseille und legt sein Leben auf Rache aus, wobei er die 3 Männer komplett zerstören will. Beeindruckend und erschütternd, wie er dies bis ins kleinste Detail plant und über die Jahre so akribisch durchzieht, die Twists waren enorm, das sich Verstricken immer heftiger. Dass er dabei einen Teil seiner Menschlichkeit verliert, ist ihm einerlei. Seine Entwicklung ist erschreckend, aber in gewisser Weise nachvollziehbar. Bei Mercedes bin ich hin- und hergerissen. Klar ist er wütend, dass sie seinen Rivalen geheiratet hat, aber sie dachte ja, er sei tot, und was soll eine mittellose Waise zu der Zeit sonst machen? Hier hätte ich mir ein Happy End gewünscht, aber wir sind einfach sooo viele Schattierungen hinter morally grey, dass überhaupt nichts mehr gut werden kann. Für mich ist der Roman ein Meisterwerk der Literatur. Wahnsinn gut durchdacht, bis ins kleinste Detail. Die menschlichen Facetten, ihre Schattenseiten, moralische Dilemma und die Frage, wie weit ein Mensch bereit ist, für Vergeltung zu gehen. Obwohl es durch Komplexität und Stil sicher nicht ganz leicht zu lesen ist, kann ich es sehr empfehlen und bin stark beeindruckt ¿ Es ist einfacher, wenn man zB vorher die Serie schaut ;)