Super
Auch der zweite Teil der Trisolaris-Trilogie hat mich absolut vom Hocker gehauen. Für mich zeichnet sich ein Autor durch drei Eigenschaften aus. Die erste ist, wenn er so schreibt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Die zweite ist, wenn ich nach Beendigung des Lesens noch eine ganze Weile in dieser Welt verharre. Die dritte und letzte Eigenschaft ist der Ideenreichtum. Und Cixin Liu ist in jeder einzelnen dieser Kategorien herausragend.Der dunkle Wald, der zweite Teil der Trilogie, besitzt einen so starken eigenen Charakter, dass er seinem Vorgänger in nichts nachsteht. Die Handlung setzt andere Schwerpunkte, und wir erleben eine wahre Flut an Zukunftsvisionen. Der Autor schafft es jedoch, sie uns in einer Weise zu vermitteln, dass sie sich allesamt vollkommen plausibel anhören. Man kann sich diese Welt buchstäblich vorstellen. Man sieht die technischen Errungenschaften, man sieht die Welt der Zukunft so, wie er sie mit seinen Worten malt.In diesem Buch geht es hauptsächlich um vier Personen, die die Welt retten sollen, nachdem klar geworden ist, dass eine Gruppe von Menschen die Menschheit verraten und ihre Vernichtung in Kauf genommen hat. Drei von ihnen scheitern und werden letztlich von den Menschen selbst aus dem Verkehr gezogen - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Alles an ihnen war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Auch wenn sie sich als Retter der Menschheit aufgespielt haben, waren sie doch skrupellose, arrogante Machtmenschen und Manipulatoren ihrer Mitmenschen.Derjenige hingegen, der sich von Anfang an gegen diesen Status ausgesprochen hat, der nichts weiter wollte als ein friedliches Leben mit seinen Freunden und seiner Familie, war letztlich derjenige, der den Unterschied gemacht hat. Er war es, der die Menschheit davor bewahrt hat, vernichtet zu werden - zumindest in diesem Teil der Trilogie.Auch wenn wir hier sehr viel Science-Fiction, Zukunftsmusik und Ideenreichtum erleben, enthält dieses Buch zugleich tiefgründige Botschaften. Es ist die Demut, die den Erfolg bringt, und der Hochmut, der den Niedergang einleitet. Wir sehen, wie sich die Menschheit in Sicherheit wiegt, und erleben beinahe ihren erneuten Untergang, weil sie aus ihren Fehlern nicht gelernt hat. Wir begegnen Figuren, die nicht an den Umständen scheitern, sondern an ihrem eigenen Charakter.Ob es wirklich die Absicht des Autors war, den Menschen aufzuzeigen, was gut und was schlecht ist, weiß ich nicht. Doch selbst wenn dies nur ein Nebeneffekt gewesen sein sollte, spricht das für die Klasse dieses Autors.Dieses Buch steht dem ersten Band in nichts nach. Es ist zwar von der bisherigen Handlung abhängig, besitzt aber dennoch einen vollkommen eigenständigen Charakter. Ich bin gespannt auf den letzten Teil. Wird die Menschheit am Ende vernichtet werden, oder wird sie umkehren? Wird sie einlenken? Wird sie in der Lage sein, sich zu erneuern und zu beweisen, dass sie es wert ist, gerettet zu werden?Warum ich nur 4,5 Sterne vergebe? Ganz einfach: Weil ich es kann