Mega
Absolut genial! Ich hätte nie gedacht, dass mich eine Science-Fiction-Geschichte so dermaßen packen würde. Dass ich noch zwei weitere Teile vor mir habe, erfreut mich umso mehr, zumal mich meine letzten beiden Begegnungen mit Science-Fiction-Büchern eher wenig überzeugen konnten.Ich finde dieses Buch außerordentlich gut geschrieben. Es macht regelrecht süchtig, und es bereitet großen Spaß, Seite für Seite in diese Geschichte einzutauchen. Der Autor schafft es unglaublich gut, sich nicht so sehr in technischen Details zu verlieren, dass man als Normalsterblicher irgendwann den Faden verlieren würde - obwohl er sehr viele physikalische, technische und naturwissenschaftliche Themen behandelt.Worum geht es in diesem Buch? Es geht um den Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation, die - wie wir am Ende des ersten Teils feststellen dürfen - unserer gar nicht so unähnlich ist. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied: Die Außerirdischen kämpfen wortwörtlich ums nackte Überleben, während einige Menschen den Kontakt zu ihnen gesucht haben, um letztlich die Vernichtung der eigenen Art herbeizuführen.Es gibt nicht nur einen Hauptprotagonisten, sondern mehrere. Einige von ihnen sind zu der Überzeugung gelangt, dass die Menschheit so verdorben, so verkorkst und so unbelehrbar sei, dass nur noch ihre vollständige Vernichtung die Erde retten könne - und dass die Menschheit ihrem vermeintlich wohlverdienten Ende zugeführt werden müsse.Das ist ein sehr kraftvoller und komplexer Gedanke, den wir vermutlich alle schon einmal hatten. Wer hat nicht schon Sätze gehört wie: "Der Mensch ist das schlimmste Virus" oder "Der Mensch ist das größte Raubtier"? In diesem Buch wird dieser Gedanke konsequent weitergedacht. Tatsächlich gibt es Menschen, die bei der erstbesten Gelegenheit die Chance beim Schopf ergreifen, um genau dieses Ende herbeizuführen.Natürlich gibt es aber auch diejenigen, die überleben wollen. Diejenigen, die kämpfen wollen. Diejenigen, die sich nicht einfach auslöschen lassen möchten - so wie es sich für ein Virus schließlich gehören würde.Dieses Buch lädt zu unglaublich vielen philosophischen Fragen über die Menschheit selbst ein: Wo stehen wir? Wer sind wir? Und was wollen wir sein? Wenn wir das Böse bekämpfen wollen, sind wir dann vielleicht selbst diejenigen, die wir bekämpfen müssten?Eine weitere Frage, die dieses Buch aufwirft, lautet: Was befindet sich dort draußen in diesem unendlichen Universum? Wie viele weitere Zivilisationen gibt es? Sehen ihre Probleme unseren vielleicht ähnlich, weil sie untrennbar mit Intelligenz verbunden sind? Wird eine Lebensform aufgrund ihrer eigenen Intelligenz irgendwann selbst zu ihrem größten Problem? Und liegt Moral letztlich immer nur im Auge des Betrachters?Wer Lust auf Philosophie, aber gleichzeitig auch auf eine Mischung aus Thriller, Gesellschaftsdrama und einem gehörigen Schuss Science-Fiction hat, wird mit der Trisolaris-Trilogie absolut fündig.Die drei Sonnen kann ich bereits jetzt uneingeschränkt empfehlen. Ich freue mich sehr darauf, die beiden weiteren Teile zu lesen - und genau das werde ich nun auch direkt tun.