Eine Wohlfhloase in einer neuen Welt, mit Liebe, Heilung und ganz vielen neuen Eindrücken.
Holy Lord, Tandem Read bewältigt. Nerven nochmal kurz in Lavendel und Salbei gehüllt.Kurzer Teaser: Das war ein wilder Ritt. Rückblickend keiner, den ich nochmal so reiten würde. Aber es gibt eine neue Route, dazu später mehr.Die Empfehlung für Getränke und Snacks bleibt bestehen, "wir gehen rein".Kurzer Buch-Recap: "Komm mit mir in ein Land, ein exotischer Fleck, wo Kamele* durch die Wüste ziehen..." und damit herzlich Willkommen in unserer "whole new world". Zu meiner Theorie der GOT-Fangirlschaft ergänze ich einleitend, dass SJM bestimmt auch den Aladdin-Soundtrack im Ohr hatte ¿¿. In Band sechs wird endlich, endlich die Karte des südlichen Kontinents relevant, bei dem es leider nicht für einen eigenen Namen gereicht hat. Nichtsdestoweniger bietet dieser uns fantastische neue Orte, ein neues Königshaus inklusive allem was zu guten Familienbanden dazugehört sowie neue und altbekannte Charaktereinführungen.Das Erzähltempo unterscheidet sich deutlich von dem Vorgängerband und verliert sich an der ein oder anderen Stelle manchmal in seinem Detailreichtum, in der hintersten Ecke auf den Straßen Anticas oder der dritten Abbiegung auf der linken Seite hinter dem achten Bücherregal der Torre. Perspektivisch wechseln wir weniger schnell und personenreduziert, was mehr Raum für die einzelnen Entwicklungsstränge bietet. Ich fand dieses Tempo unglaublich passend gewählt, um dieser Welt und ihren Figuren den gebührenden Raum zu bieten ¿.Uns werden eine waschechte Lovestory in all ihrer Tiefe, deepe Charakterentwicklungen, neue Gefährt:innen (sogar anteilig mit Green Flag Potential ¿) und interessante Schauplätze geboten, denen ihre ganz eigene Bedeutung für unsere Geschichte innewohnen. Und wie immer, geballte Plots und Überraschungen kombiniert mit den obgligatorischen "großen Fights" auf den letzten 100 Seiten. Also trotzdem irgendwie alles wie immer, verpackt in einer ausführlich, sich langsam aufbauenden Handlung.ToG 6 ist ein anderes Buch, aber genau deswegen für mich besonders großartig.Eine Umarmung, ein Hoffnungsschimmer, ein Wohlfühlplatz und Rückzugsort.* Korrektur: Pferde und RuksDie heilsame Wirkung - mein Eulenparadies in Antica:Vom Gefühl her sag direkt zu Beginn: das wird ein Essay. Frei raus aus den Tiefen meiner ToG-Feelings und definitiv nicht spoilerfrei im Verlauf. Lesen auf eigene Gefahr ¿.Für mich ist dieses Buch absolut underrated und zu unrecht in die Ecke gestellt. Wir bekommen eine Geschichte in der Geschichte, eine neue Welt, neue Figuren, die mit ziemlich hoher Sicherheit im folgenden Band mehr als relevant werden, neue, tierische Sidekicks und weitere Mitglieder für unseren Girlssquad ¿ und vor allem bekommt Chaol seine wohlverdiente Recoveryreise. Fast so als hätte Sarah J. das Pendant zu Aelins Recoveryreise in Wendlyn geschrieben ¿¿¿¿.Mein Softspot für Chaol seit Band 1 ist ggf. bekannt, wobei ich den CHC, den Chaol-Hate-Club, auch noch nie verstanden habe.Chaol war aus meiner Perspektive für Aelins Entwicklung essenziell und mittlerweile haben es wahrscheinlich alle verinnerlicht, dass er offensichtlich nur der "Blitzableiter" für die Nummer mit Nehemia war. Die ja von ihr wiederum selbst, in Zusammenarbeit mit unserer in Ungnade gefallenen Elena, so geplant wurde - WTF? Von mir aus werfen wir ihm dennoch weiter vor, dass er Aelin in seiner falsch verstanden Loyalität nichts erzählt hat. Dass die Maus ihm zeitgleich u. a. verschwieg, dass sie ganz nebenbei die totgeglaubte Terrasen-Thronerbin ist... Nun, dass war auch damals schon nur eines der vielen Geheimnisse von unserer Zaubermaus. Meinetwegen kritisieren wir auch, dass er sich in seiner nicht diagnostizierten Depression wie ein Idiot verhalten hat und Aelin tausend Dinge, inklusive einer schiefen Socke, vorgeworfen hat. Diese hat das ganz professionell mit "Spiegel" ¿ beantwortet. Die beiden stehen sich für mich auch in wenig nach, was sie ja sogar selbst wissen ¿.Ich hab mal gelesen, dass die Hater so in ihrer Antihaltung aufgehen, weil Chaol so viel Projektionsfläche für eigenes Fehlverhalten bietet. Musste ich schmunzeln, kann den Erklärungsansatz für den CHC durchaus nachvollziehen. Natürlich alles mit einem zwinkernden Auge, aber ein Körnchen Wahrheit findet sich bestimmt. Chaol ist ein Charakter, der zwar vermeintlich privilegiert aufwächst, aber dem trotzdem so viel fehlte auf seinem Weg zum erwachsenen Mann. Gerade der Wunsch, Dorian zu schützen für eine bessere Welt bildet für mich das Gegenstück zu Aelin. Chaol ist für mich der "menschlichste" Charakter, eben weil er diese Fehler macht, falsche Abbiegungen nimmt, Rückschritte macht und sich dann doch weiterentwickelt und für sein Verhalten einsteht. Wie alles bei SJM hat meines Erachtens nach dieses Charakterbuilding einen besonderen Zweck über die Geschichte hinweg. Aber spätestens in diesem Buch entfaltet es sich ja recht offensichtlich. Schließlich wird so unsere "Lichtbringerin" offenbart und ich meine allein für den Moment auf dem Schiff zurück nach Erlilea - Leute, Gänsehaut pur. Also Leute, öffnet euer Herz für Chaol und schenkt ihm die Liebe, die ihm lange berührte wurde ¿.Ich bin auf Kommentare gestoßen, der darstellt, dass SJM mit ihrer Darstellung des südlichen Kontinents den "west gaze" bedient und negative, abwertende Ressentiments nutze und diese Welt als barbarisch, wenig entwickelt und abwertend darstellen würde. Ich konnte das schon damals nicht so recht erkennen, wollte aber besonders aufmerksam weiterlesen. Am Ende dieses Buches ist das für mich allerdings noch weniger begründbar.In ihrem Nachwort benennt Sarah J. ihre Inspiration für den südlichen Kontinent. Dass es keinen eigenen Namen für diesen gibt, finde ich dabei noch den größten Kritikpunkt.Ich glaube bei der Entwicklung dieser Sphäre im Univerum weiterhin fest an meine GOT-Theorie. Dennoch wird Antica und seine Königsfamilie im Vergleich zu Adarlan bspw. deutlich positiver dargestellt. Bis auf dieses verrückte Thronerbinnen und -erbengemetzel, das mit dieser Generation ja hoffnungsvoll abgeschafft werden sollte. Dass sie ihre Idee inklusive einiger Orte unserer echten Welt entnommen hat, steht außer Frage und an sich finde ich das ziemlich gut gelöst. Während Erliea mit einer Hochburg für Assassinen aufwartet, bietet der südlichen Kontinent Expertise für Wissen und Heilung. Er akzeptiert und integriert verschiedene Religionen, hat den Sklavenhandel verboten, die Bevölkerung lebt im Wohlstand und ist deutlich offener für die vielen Möglichkeiten der Liebe und des Lebens. Am Ende gewinnt die Liebe auch noch als Sartaq genau aus diesem Grund von seinem Vater zum Thronerben ernannt wird ¿. Für mich ist der südliche Kontinent viel mehr ein alternativer, an der reellen Geschichte unserer Welt orientierter, Lebensraum, der für mich viel Positives mitbringt. Ich werde allerdings weiterhin vertiefend recherchieren, um die Kritik vielleicht etwas besser nachvollziehen zu können.Liebe ist das Stichwort, kommen wir zu Nesryn. Dass diese Frau von Menschen als langweilig beschrieben wird, finde ich eine Nummer. Die ruhigere, in sich gekehrte Person mit weniger Pagetime und einem zurückhaltenden Wesen, die nicht aufdringlich agiert, sondern unerwartet schießt und das mit Wucht. Für mich bietet Nesryn neben einem alternativen Charakterbuilding auch eine Projektionsfläche für all jene Menschen, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen. In Adarlan, ihrer vermeintlichen Heimat, erfährt sie Abwertung und Mobbing. Ein weiteres Argument für die Fortschrittlichkeit des südlichen Kontinents btw, wo eine andere Herkunft genutzt wird, um seine Bogenschießtalente zu erweitern, aber das wirklich nur am Rande!Ich mag Nesryn. Ich finde, sie ist ein absolut starker Charakter. Eine Frau, die sich mit sich selbst auseinandersetzt, lernt eigene Grenzen zu setzen und für sich einsteht.Ich wünsche mir so sehr ein Happy End für sie und Sartaq. Bitte Sarah J. enttäusche macht nicht. Die Szene in den Straßen Anticas mit Nesryns Vater vor dem Anwesen und der Schwester, die es ihm ja gesagt hat ¿. Lieb ich doch.Wenn ich auch sehr in mein Herz geschlossen habe, Yrene. Gut, die wird irgendwie von allen geliebt, aber das ist fair. Ich find sie auch babamäßig überragend. Und ganz ehrlich, die Lovestory haben sich beide verdient. Ich shippe Chaol und Yrene sehr, ebenso wie Nesyrn und Sartaq. Da haben tatsächlich beide ihre Soulmates gefunden. Super gemacht, SJM. Ich gehe voll mit. Auch ihre Entwicklung finde ich fantastisch gemacht. Klar, am Ende ist es wieder die Liebe, die sie mit ihren Dämonen abschließen lässt, aber das ist doch toll. Also nehmt euren Hate und lasst Liebe regnen. Love is in the air ¿¿¿¿. Kurzer Marvel-Bezug noch: Chaol und Nesryn sind für mich übrigens Hawkeye und Black Widow von ToG. Beide richtig krass in ihren Kampfdisziplinen, beide rein menschlich ohne den ganzen Magieschnickschnack, Unsterblichkeitsfirlefanz und irgendeine Superpower. Damit sind sie eigentlich die krassesten Charaktere im Business. Welche Rollen die Königskinder einnehmen, das muss ich noch checken. Bei den NewAvengers bin ich noch nicht so im Game ¿.Kurz noch zu meinen kleinen Abzügen in der B-Note:Rein anatomisch ergibt die Heilung von den Füßen zur Mitte keinen Sinn. Die Nervenbahnen verschalten sich vom Hirn abwärts, wie sollen bitte erst die Füße flippen bevor die Oberschenkel wieder ans Start sind? Sarah J. - was ist da los? Ausgeglichen wird diese Kritik aber für die inklusiven Aticagardevibes um Shen. Wie schön das alles geschrieben ist und wie selbstverständlich die Menschen miteinander Umgehen. Halbwüchsigem für meine Seele. Mein Tandem Read - a new way:Mir hat im Tandem Band sechs oft mehr gegeben als Band fünf, weil ich eintauchen konnte, miterleben durfte und Zeit bekam. Daher abschließend einige letzte Worte dazu. Die ausführliche Darstellung dazu findet ihr in meiner Rezension zur Sturmbezwingerin, hier die Kurzfassung ¿:Rückblickend denke ich, wäre die Light-Version** des TR mein full circle moment geworden, damit diese beiden Bangerbücher in ihrer Verschiedenheit hätten strahlen können. Liebe geht aber auch hier nochmal an alle von euch raus, die mich bei der Entscheidung vorab unterstützt haben ¿.Also Leute, überwindet euren Hate, öffnet eure Herzen und erlebt eine traumhafte Reise auf den südlichen Kontinent mit Momenten des Innehaltens und Atmens bevor ihr euch wieder in die rasante Fahrt durch Erilea stürzt. ** Übersicht;Du liest Band 5 bis Kapitel 60 oder 68.Du liest Band 6 bis Kapitel 54 oder 58. Du liest Band 5 zu Ende.Du liest Band 6 zu Ende. Info: 60/54: Empfehlung; 68/58: entsprechend TandemRead-AbschnitteSnacksAnschließend:Nachdem ich die Rohfassungen der Rezensionen in die Tasten gesäbelt hatte, konnte ich unruhigen Gewissens in den letzten Teil durchstarten. Da wurde nichts mehr geschoben, ich wollte wissen, wie es endet. Also lasst uns gemeinsam in den Abgrund fliegen ¿.