Manchmal gibt es Bücher, die einen nicht nur berühren, sondern sich regelrecht ins Herz graben und zum Schluss eine Leere hinterlassen
Manchmal gibt es Bücher, die einen nicht nur berühren, sondern sich regelrecht ins Herz graben und zum Schluss eine Leere hinterlassen. If He Had Been with Me ist genau so ein Buch. Laura Nowlin erzählt die Geschichte von Autumn und Finn, zwei Menschen, die seit ihrer Geburt unzertrennlich sind, sich auf der High School jedoch verlieren und viel zu spät erkennen, wie wichtig sie einander eigentlich sind.Die Handlung umfasst rund 18 Jahre und überspringt dabei große Zeitspannen, um sich auf Schlüsselmomente zu konzentrieren. So entsteht ein intensives, komprimiertes Bild zweier Leben, die untrennbar miteinander verbunden sind. Gerade dieser Aufbau macht die Geschichte besonders: Man verliert sich sich nicht in Nebensächlichkeiten, sondern wird direkt zu den zentralen Ereignissen geführt, die Autumns und Finns Beziehung prägen.Autumn ist eine komplexe, manchmal schwer erträgliche Figur. Ihre Blindheit gegenüber dem Offensichtlichen kann frustrierend sein und es gab Momente, in denen ich sie am liebsten geschüttelt hätte. Gleichzeitig macht genau das sie greifbar, man kann sich in sie hineinversetzen, ihre Eigenheiten nachvollziehen und mit ihr fühlen. Finn wiederum wird als warmherziger, sympathischer Charakter gezeichnet, der zeigt, wie sehr die Erwartungen und Meinungen anderer das eigene Leben beeinflussen können.Der Schreibstil ist schlicht und doch wirkungsvoll. Besonders die teilweise kurzen, fast fragmentarischen Sätze spiegeln die Gefühlswelt der Figuren wider und lassen viel Raum für Interpretation. So kann man als Leserin zwischen den Zeilen lesen, Emotionen spüren und selbst nachfühlen. Oft hat mich das Buch lachen lassen, dann wieder den Kopf schütteln ich musste sogar ein paar Tränchen verdrücken. Es ist selten, dass mich eine Geschichte so tief bewegt, dass ich nach dem Zuklappen eine Pause brauchte, um alles sacken zu lassen.Ja, es gibt Passagen, in denen sich die Geschichte etwas zieht. Und ja, Autumns Verhalten treibt einen manchmal in den Wahnsinn. Aber all das verblasst im Vergleich zu dem Schlag ins Herz, den das Ende versetzt. Der Satz: "Ich könnte die Augen schließen und mir vorstellen, dass wir niemals getrennt waren. Ich könnte mir eine neue Vergangenheit erfinden, an die ich mich erinnere." ist einer, der noch lange nachhallt. Eine Art Sinnbild für verpasste Chancen und das unentrinnbare "Was wäre, wenn?".Am Ende ist dieses Buch eine perfekte Mischung aus Spannung, Emotion und Dramatik. Insgesamt einfach eine tragisch schöne Liebesgeschichte, die einen nicht mehr loslässt. Es ist bittersüß, tief bewegend und absolut empfehlenswert. Wer bereit ist für eine emotionale Achterbahnfahrt (und die Triggerwarnungen berücksichtigt), sollte dieses Buch unbedingt lesen.