Gestaltung:
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Das Titelbild wirkt sehr schlicht und nüchtern in den schwarzen und weißen Farben. Durch die Silhouette ist der Täter anonymisiert. Für einen True Crime-Bericht wäre es passend.
Kurzeindruck:
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Der Brasilianer Gabriel ist von seiner Schwester nach Deutschland geholt worden und hat sich als IT-Experte in Hamburg gut eingelebt. Er hat sich in eine Frau verliebt, doch dann verschwindet er auf einmal spurlos. Auf der anderen Seite ist da Fabio, der Monate später des Mordes an Gabriel verdächtigt wird. Immerhin lag die Leiche monatelang in seiner Wohnung. Doch er sagt, er wäre unschuldig. Alexander Rupflin trifft Fabio nach dem 2. Prozess und versucht, diesem Mann näher zu kommen, seinen Charakter zu erschließen und zu erfahren, was tatsächlich geschah. Dabei rekonstruiert er in diesem Buch den Fall, wobei hin und her springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Romanform und Berichtsform. Mir waren die Teile, in denen er von Gabriel und seinem Leben vor dem Mord berichtet, zu ausschweifend. Der Autor schmückt viele Details aus, die m. E. für einen True Crime nicht erforderlich sind. Dann wechselt er wieder und zitiert aus der Fallakte oder schildert biografisch die Begegnung mit dem Täter, wobei er auch dabei immer mal wieder Sprüche oder Gedichte zitiert. Der Fall ist schockierend bis faszinierend, vor allem Fabios Persönlichkeit lässt einen immer wieder schaudern. Insgesamt hatte ich mir jedoch etwas anderes von einem True Crime erwartet. Mehr nüchterne Fallkonstruktion gepaart mit Interviewausschnitten. Die Mischung in diesem Buch ist mir zu wild, folgt keinem roten Faden und hat mich stellenweise durch die ausschweifende Schreibweise häufig genervt, sodass ich an diesen Stellen eher quergelesen habe. Man hätte diesen interessanten Fall durchaus besser darstellen können, um ihm und seiner Komplexität gerecht zu werden.
Fazit:
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Der Fall an sich ist interessant, die Darstellungsweise mit fehlendem roten Faden und wechselnden Text-Genres konnte nicht überzeugen.