Das neue Buch von Yrsa Sigurdadöttir ist wieder völlig anders als die letzten beiden aus der Reihe um die Polizisten Tyr und Karolina. Man kann es übrigens problemlos ohne Vorkenntnisse lesen. Obwohl es nicht so unheimlich ist wie seine Vorgänger, hat es mich erneut vollkommen gefesselt, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie die Autorin alle losen Fäden zusammenführen würde. Doch das gelang ihr so perfekt und konsequent, dass ich am Ende wie immer absolut zufrieden und begeistert war.Kurz zum Inhalt bzw. zu den angesprochenen losen Fäden:Ein Skelettfund am Recyclinghof - ein Nachbarschaftsstreit, der buchstäblich über Leichen geht - eine junge Schiffsköchin mit Seekrankheit, deren Vater bei einem Schiffsunglück zu Tode kam. Drei Begebenheiten.Haben sie miteinander zu tun?Berührungspunkte sieht man als Leser zunächst nicht...Erzählt wird überwiegend aus drei Perspektiven - da ist Gunndís, die junge Schiffsköchin, dann Ketill, ein Jugendlicher, dessen Eltern sich einen erbitterten Streit mit den Nachbarn liefern und Tyr, der schwedischstämmige Polizist, den wir bereits aus den Vorgängerbändern "Rauch" und "Nacht" kennen. Die Kapitel wechseln sich jeweils ab, was Schauplatz und Perspektive betrifft, daher will man immer weiter lesen.Jede Figur bei Yrsa Sigurdadöttir hat Leben, ist aus Fleisch und Blut und könnte für die Lösung bedeutsam sein. Besonders eindrucksvoll ist ihr hier die Schilderung der Geschehnisse an Bord des Fischtrawlers gelungen, man wird beim Lesen beinah selbst seekrank und ist gefühlsmäßig sehr hautnah dabei. Gunndís war auch meine persönliche Lieblingsfigur in diesem Krimi, den ich übrigens nicht unbedingt als Thriller bezeichnen würde, und dessen Titel "Blut" eventuell auch mehr Hochspannung suggeriert als vorhanden.Tyr, der inzwischen eine Beziehung mit der für ihn viel zu jungen Schwester der Gerichtsmedizinerin Ydunn eingegangen ist, hat beinahe zuviele persönliche Probleme, als dass er sich mit voller Konzentration der Lösung des Falls widmen kann...Seine eigene Vorgeschichte um den Tod seiner Mutter wird auch dieses Mal nicht aufgeklärt, doch liefert uns die Autorin gegen Ende einen klitzekleinen Puzzlestein, der für Mutmaßungen gut ist und Hoffnung auf den nächsten Band macht.Es ist ja fast klar - alle drei Vorfälle hängen schlussendlich miteinander zusammen und mit welcher Akribie Yrsa Sigurdadöttir hier bis ins Kleinste alle offenen Fragen auflöst, chapeau, das sucht schon seinesgleichen!Mir hat das Buch wieder ausnehmend gut gefallen, ich liebe den Schreibstil der Autorin, die düstere Atmosphäre Islands und ich möchte, ebenso wie Tyr, endlich herausfinden, wer seine Mutter wirklich ermordet hat - ich habe da schon so eine Ahnung...Darum freue ich mich schon jetzt auf den nächsten Band. "Blut" erhält von mir 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung - aber Vorsicht! Nur für Fans weniger blutiger Krimis.