Eine schonungslose Abrechnung mit dem Tabuthema Alkohol...
Details:Ausgabe:Taschenbuch / eBookErscheinungsdatum: 13.10.2025Verlag:GrauGenre:Autobiografie / ErfahrungsberichtSeitenanzahl:303 / 304Inhalt:In diesem Buch bricht Betty Taube ihr Schweigen über ein Thema, das in unserer Gesellschaft noch immer massiv stigmatisiert wird: das Aufwachsen mit einem alkoholkranken Elternteil. Sie schildert ungeschönt ihre von Sucht, Vernachlässigung und dem ständigen Versteckspiel geprägte Kindheit. Es ist die Geschichte eines Kindes, das die Rollen tauschen und viel zu früh erwachsen werden musste, um in einem toxischen Umfeld zu überleben - und gleichzeitig ein lauter Aufruf für mehr Aufklärung und Prävention.Wie das Buch zu mir gefunden hat:Ganz ehrlich, ich weiß es gar nicht mehr so genau. Ich habe das Buch beim Stöbern auf LovelyBooks entdeckt, es auf meine Merkliste gesetzt und es mir dann in der Stadtbibliothek ausgeliehen. Ich sollte es wohl lesen...Meinung:Achtung! Spoiler enthalten.Ich bin an dieses Buch mit einer sehr gesunden Portion Skepsis herangegangen. Sobald ich das Wort"Influencer"auch nur höre oder lese, stellen sich mir normalerweise nicht gerade dezent die Nackenhaare auf. Ich hege eine gewisse Aversion gegen diese Berufsgruppe (falls man das überhaupt hochoffiziell so nennen darf?), weil dort meistens Marketing und der Algorithmus über absolut allem stehen. Oft leiden diese Leute an einer Art umgekehrtem Imposter-Syndrom: Sie reden über Dinge fernab der Lebensrealität der breiten Masse, nutzen populäre Schlagwörter oder den Deckmantel des"Sachbuchs", um eigentlich nur ihr persönliches, überteuertes Tagebuch zu verkaufen (ein Paradebeispiel dafür war meine Leseerfahrung mit"Vom Glück, allein zu sein"vonMarie Luise Ritter). Ich habe aber inständig gehofft, dass genau das bei einem so gewichtigen Thema hier nicht der Fall sein würde - und ich bereue es nicht, Betty Taube und ihrer Geschichte diese Chance gegeben zu haben.Die Autorin kommt unfassbar ehrlich, authentisch und hoch selbstreflektiert rüber. Sie nutzt ihre Reichweite hier für etwas absolut Sinnvolles: um eines der größten Tabuthemen unserer Gesellschaft, den Alkoholismus und dessen Auswirkungen auf das familiäre Umfeld, ins Rampenlicht zu zerren. Da ich selbst persönliche Erfahrungen mit dieser Thematik machen musste, konnte ich mich extrem gut in ihre Schilderungen, die emotionalen Abgründe und diese speziellen familiären Dynamiken hineinversetzen. Handwerklich gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Der Schreibstil und das allgemeine Format des Buches sind sehr angenehm, flüssig und trotz der Schwere des Themas zugänglich zu lesen. Ich befürworte Betty Taubes Aufklärungsarbeit in diesem Bereich massiv und teile ihre deutliche Kritik: Es gibt in unserer Gesellschaft noch unfassbar viel Luft nach oben, was ernsthafte Prävention und den Zugang zu Ressourcen für Betroffene (vor allem für betroffene Kinder) angeht.Fazit:Ein ehrliches, wichtiges Buch, das meine anfänglichen"Influencer-Vorurteile"komplett entkräftet hat. Es gibt dem oft totgeschwiegenen Thema der familiären Alkoholsucht eine laute Stimme und sensibilisiert auf eine sehr persönliche, aber nie effekthascherische Weise.Empfehlung:Triggerwarnung - Dieses Werk enthält Szenen der Gewalt.Dieses Buch enthält Schilderungen von Suchterkrankungen (Alkoholismus), emotionalem Missbrauch, suizidale Gedanken und kindlicher Vernachlässigung.Für alle, die sich für echte Schicksale interessieren und sich mit den Themen Suchtprävention und toxischen Familiendynamiken auseinandersetzen wollen. Auch für absolute Influencer-Skeptiker (wie mich) geeignet!Eine klare Kauf- und Leseempfehlung von mir!