Die Autorin schildert ihre Erlebnisse und zeigt dabei Doppelmoral, ethische Versäumnisse und noch Schlimmeres.
'*' Meine Meinung '*' Sarah Wynn-Williams beschreibt in ihrem Buch ihren beruflichen Werdegang und ihre sieben Jahre bei Facebook. Die eigentliche Spannung entfaltet sich, als sie ihre Arbeit im politischen Bereich schildert und aufzeigt, wie Facebook politische Entwicklungen in verschiedenen Ländern beeinflusst, Wahlergebnisse mitgestaltet und extremistische Inhalte verbreitet. Schon zu Beginn ihrer Zeit bei dem sozialen Netzwerk ist ihr klar, welche Macht die Plattform einmal entfalten wird. Mit ihrem Interesse für Diplomatie untersucht sie, welchen Einfluss Facebook auf Menschen und Regierungen weltweit ausübt. Anfangs sind die Kontakte zwischen der Unternehmensführung und staatlichen Vertretern noch selten und förmlich, doch bald erkennt Marc Zuckerberg seine Rolle als einflussreicher Königsmacher. Die Leichtfertigkeit, mit der diese immense Verantwortung gehandhabt wird, zeigt sich auch im Umgang mit den Mitarbeitenden: Die Forderung an Sarah, in den Wehen, noch schnell ein Skript fertigzustellen, verdeutlicht den vollständigen Verlust jedes Maßes und verdeutlicht auch das rasante und oft unüberlegte Wachstum Facebooks. Die detaillierten Schilderungen darüber, wie das Unternehmen aktiv in die Weltpolitik eingreift, Kinder und Jugendliche durch die Ausbeutung ihrer emotionalen Daten zu Werbeopfern degradiert und sexuelle Übergriffe im eigenen Haus duldet, hinterließen bei mir eine tiefe Beunruhigung und Verunsicherung. Sarah erlebt selbst die Doppelmoral und Frauenfeindlichkeit an der Unternehmensspitze, die Bereitschaft, Forderungen aus Diktaturen nachzugeben, und Zuckerbergs Reaktion auf den Wahlsieg Donald Trumps. Ihr Buch demonstriert eindrücklich, wie eine Handvoll Menschen mit unvorstellbarer Macht immer weniger Verantwortung übernimmt und welche gravierenden Folgen dies für die gesamte Gesellschaft hat.Kritisch setzt sie sich mit ihrer eigenen Haltung auseinander: Trotz wiederholt überschrittener persönlicher Grenzen und offenkundiger Missstände leistet sie kaum Widerstand. Ihr Argument, von innen heraus positive Veränderungen bewirken zu wollen, wirken auf mich nur begrenzt überzeugend, und die häufigen Wiederholungen über das Auftreten Mark Zuckerbergs wirken mit der Zeit ermüdend. Dennoch überwiegt der informative und aufrüttelnde Charakter des Buches "Mein Traumjob bei Facebook und wie ich alle meine Ideale verlor", wichtige moralische Fragen werden aufgeworfen und beschäftigt den Leser noch lange nach der Lektüre. Gerade aus diesem Grund kann ich diese Lektüre uneingeschränkt empfehlen und vergebe 5 nachdenkliche Sterne. Bei Facebook habe ich mich ja schon länger verabschiedet und teile nur noch für den Blog Postings. Aber jetzt überlege ich, wie es mit Insta weitergehen soll. Einerseits finde ich es informativ (wenn man genug IQ-Punkte hat, um Fake-News von korrekten News zu filtern), aber andererseits unterstütze ich damit auch Meta und sein (gemäßigt ausgedrückt) bedenkliches Vorgehen.'*' Klappentext '*' Sarah Wynn-Williams, bewirbt sich bei Facebook um dazu beizutragen, die Welt ein wenig besser zu machen. Was sie dort erlebt, ist so ungeheuerlich, dass Mark Zuckerberg ihr verbieten will, darüber zu sprechen. Aber wir alle sollten es wissen.