Cover & Klappentext
Das Cover ist toll gelungen und definitiv ein Eyecatcher. Es passt zu Story. Kurzum, mir gefällt es. Aber letztendlich war es der Klappentext, der mich überzeugt hat, das Buch zu lesen, obwohl das Thema Träume nicht immer meinen Geschmack trifft. Es kommt darauf an, wie man es umsetzt.
Des Weiteren ist die Autorin für mich keine Unbekannte und begeisterte mich schon mit zwei anderen Büchern, deshalb konnte ich hier unmöglich widerstehen.
Meinung
Als Sklavin führt Lio alles andere als ein leichtes Leben, insbesondere weil sie sich lediglich an die letzten fünf Jahre ihres Lebens erinnern kann. Den Launen ihres Meisters ausgesetzt, sieht sie sich gezwungen, mit Izan, dem Traumweber, zu flüchten. Trotz ihrer Abneigung können sie sich der Verbindung, die zwischen ihnen herrscht, nicht entziehen, und müssen zusammenarbeiten, um die Reise quer durch Aurikalos zu überstehen. Gejagt von Zwielichtkreaturen, Sandmännern und Albträumen kommen sie sich langsam näher, jedoch auch Lios Vergangenheit, die gefährlicher ist als vermutet.
Aus der Sicht von Lio wird man durch das Geschehen geführt. Der Einstieg gelang nicht gerade leicht, da ich mich erst einmal zurechtfinden musste. Die erschaffenen Reiche, die Art der Träume, das Zwielicht sind nicht sofort greifbar. Doch im Laufe der Story kam ich gut zurecht. Das lag nicht zuletzt an Lios Präsenz, ihrem Wesen, ihrer Art, mit ihrem Leben umzugehen. Obwohl ihr der Großteil ihrer Erinnerung fehlt, gibt sie nicht auf. Sie kämpft. Um ihr Leben. Ihre Freiheit. Mich hat sie beeindruckt. Schon allein, weil sie nicht ausschließlich stark ist, sondern auch ihre emotionale Seite zeigt. Gleichzeitig hat sie noch etwas Reines an sich, dabei ist sie alles andere als unschuldig.
Mit Izan kommt sie an ihre Grenzen. Sie ecken an, bekriegen sich, unterstützen sich jedoch im weiteren Verlauf auch. Je weiter sich Lios Vergangenheit offenbart, desto näher kommen sie sich.
Allerdings konnte Izan nicht sofort bei mir punkten. So wurde er aber auch angelegt. Andere Charaktere, besonders Haze, hingegen schon. Es gibt immer ein Gleichgewicht, was aber auch für Gegensätze sorgt, und diese machen den ersten Teil von Tale of Sun and Night zu etwas Besonderem.
Der Schreibstil ist recht locker gehalten. Gut ausformulierte Passagen mit einem Schuss Umgangssprache. Das wiederum passt gut zum Inhalt. Und der hat es in sich.
Leider gab es immer wieder diverse Stolperstellen. Missverständliche Satzstrukturen sowie kleinere Flüchtigkeiten haben etwas den Lesefluss gestört. Doch abgesehen davon, gleitet man geschmeidig durch die Seiten.
Der Plot hat mir ungemein gefallen. Aber noch viel wichtiger, die Umsetzung war wahnsinnig mitreißend. Die Geschwindigkeit war auf den Punkt genau korrekt gewählt, sodass ich mich weder gezerrt fühlte noch durch Längen abgelenkt wurde. Dabei finden sich in dem Auftakt genug Beschreibungen, die normalerweise die Aufmerksamkeit weniger fesseln. Hier jedoch hat die Autorin mit Hilfe von Vergleichen solch farbenfrohe Bilder erschaffen, dass ich einfach dranbleiben musste. Kombiniert mit Spannung, Mitgefühl, einem Wechsel zwischen Hoffen und Bangen, ergibt sich ein toller Mix mit jeder Menge Magie.
Das Ende kam leider sehr abrupt und lässt Schlimmes erahnen. Ich kann es nicht erwarten, bis die Fortsetzung erscheint.
Fazit
Den Leser erwartet hier ein Ausnahmebuch, was das Potenzial für ein Jahreshighlight mitbringt, auch wenn das Jahr erst begonnen hat. Wer die Bücher von Magdalena Gammel bereits kennt, weiß um ihr Talent, außergewöhnliche, herausragende Geschichten zu schreiben, die diesen berühmt-berüchtigten Nachhall mitbringen.
Ich vergebe vier von fünf Sternen, aufgrund des manchmal gestörten Leseflusses, und eine klare Leseempfehlung.