Inhalt: Chicago, Mitte der 90er. Seit Jahren steht das alte McIntyre-Haus leer. In den 70ern geschah dort Grausames, doch die Erinnerung daran ist heute weitgehend verblasst, sodass das Haus für Mutproben der Jugendlichen herhalten muss. So auch für die 13-jährige Jessie, die ihren kleinen Bruder Paul herausfordert, das Haus zu betreten. Doch: Die Mutprobe geht schief, Paul kehrt nicht aus dem Haus zurück und bleibt spurlos verschwunden. Das Haus wiederum scheint aus einem Schlaf erwacht...Persönliche Meinung: "Das gierige Haus¿ ist ein Horrorroman von Christina Henry, in deren Mittelpunkt ein "Haunted House¿ steht. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive der (zu Beginn) jugendlichen Jessie, die nach dem Verschwinden ihres Bruders versucht, dem Geheimnis des Hauses auf die Spur zu kommen. Die Handlung des Romans verlief für mich eher durchwachsen: Nach einem starken Beginn, in dem von dem Verschwinden Pauls (und dessen Folgen für Jessies Familie) erzählt wird, flacht die Handlung zunehmend ab: Es gibt immer wieder mal seismographische Ausschläge (weitere Schicksalsschläge für Jessie; Vermisstenfälle, die mit dem Haus zusammenhängen), doch diese wirkten auf mich eher additiv und brachten - bis auf einzelne Ausnahmen - die Handlung wenig voran. Recht früh wird auch das Geheimnis des Hauses offenbart, sodass für mich auch in dieser Hinsicht die Spannung abflachte. Zwar wird dieses Geheimnis im zweiten Teil noch etwas aufgefächert, allerdings kam dies für mich handlungstechnisch etwas zu unvorbereitet - ein Umstand, der sich für mich durch den Roman zog. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Gerade im Finale finden sich einzelne (eigentlich überraschende) Wendungen, die allerdings konträr zum zuvor Gelesenen verlaufen - ohne dass die Lücke erklärt wird. Vieles passiert "einfach¿. Gefallen wiederum hat mir die Ausgestaltung der Figurenbeziehungen innerhalb des Romans. Lebendig, weil schmerzhaft, ist gerade die Beziehung zwischen Jessie und ihrer Mutter, die nach dem Verschwinden von Paul nie mehr dieselbe sein wird. Ein anderes Beispiel: Im zweiten Teil bildet Jessie mit ein paar anderen alten Nachbarn eine verschworene, von Wertschätzung geprägte Gemeinschaft, die sich als Wächter des Hauses verstehen. Da sich die Handlung bis in das Jahr 2006 weiterspinnt, finden sich in Bezug auf Jessie auch einzelne Coming of Age-Elemente (wie die erste Liebe). Schön akzentuiert sind dabei insbesondere die Episoden, in denen Jessie sich aus dem überkommenen gesellschaftlichen Frauenbild zu befreien sucht. Der Schreibstil von Christina Henry ist anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man durch die Seiten des Romans fließt. Insgesamt ist "Das gierige Haus¿ ein Horrorroman mit interessanten Ansätzen, dessen Handlung für mich allerdings zu unmotiviert erzählt wurde und dadurch aufgebläht wirkte.