Ein Fan von Keri Lake werde ich definitiv nicht. Zu lang und zu verworren, Aber insgesamt habe ich es nicht bereut, es gelesen zu haben.
Nachdem mir Noctadia schon nicht besonders gut gefallen hatte, war ich trotzdem neugierig auf Anathema. Vielleicht auch, weil ich im Vorfeld eine ganz andere Vorstellung von der Geschichte hatte und dachte, sie könnte in eine ähnliche Richtung gehen wie Wo die Nacht verweilt von A. B. Poranek. Diese Erwartung hat sich allerdings ziemlich schnell als falsch herausgestellt.Der Einstieg hat mir zunächst richtig gut gefallen, und auch Maeves Geschichte konnte mich anfangs noch abholen. Mit dem Auftauchen von Zevander wurde die Handlung für mich jedoch zunehmend undurchschaubarer, zäher und stellenweise schwer greifbar. Zu Zevander selbst konnte ich leider kein wirklich positives Gefühl entwickeln. Ich konnte zwar nachvollziehen, warum er einem leid tun kann, aber eine echte Verbindung zu ihm ist bei mir nicht entstanden.Das Worldbuilding war für mich einer der stärkeren Aspekte des Buches. Die Atmosphäre, die düsteren Elemente und die Grundidee der Welt hatten durchaus ihren Reiz. Gleichzeitig waren es mir zu viele Charaktere, Namen und Bezeichnungen, die ich nicht immer klar einordnen konnte. Auch die Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren blieben für mich oft zu vage, wodurch manche Entwicklungen nicht richtig nachvollziehbar wirkten und emotional wenig bei mir auslösten.Mehrfach war ich kurz davor, das Buch abzubrechen, weil mich lange Passagen schlicht nicht fesseln konnten. Ich habe vor etwa drei Monaten mit dem Lesen begonnen, das Buch immer wieder zur Seite gelegt und erst nach einiger Zeit erneut zur Hand genommen. Trotzdem hat mich der Ausgang der Geschichte nie ganz losgelassen.Auch die spicy Szenen waren für mich ein deutlicher Kritikpunkt. Sie waren mir insgesamt zu krass, teilweise zu ausführlich und gleichzeitig nicht besonders schön beschrieben und manches war so etwas von unglaubwürdig, dass sich mir die Haste sträuben. Vor allem im Hinblick auf Maevyths Emotionen und ihre innere Entwicklung.Zwischendurch blitzte immer wieder Spannung auf, doch genau dann flachte die Handlung für mich oft wieder ab. Dadurch blieb mein Leseerlebnis ein ständiges Auf und Ab: kurze Momente, in denen ich wieder Hoffnung hatte, wechselten sich mit langen Abschnitten ab, die mich kaum erreichen konnten.Lange Zeit war ich sicher, dass es für mich nur 2 Sterne werden würden und ich das Buch eher als Fehlkauf abhaken müsste. Doch die letzten zwölf oder dreizehn Kapitel haben tatsächlich noch einiges herausgerissen. Ab diesem Punkt hatte die Geschichte endlich den Sog, den ich mir schon viel früher gewünscht hätte. Zusammenhänge wurden klarer, das Lesen machte wieder Spaß und gegen Ende war ich sogar neugierig auf den Folgeband. Das Ende selbst fand ich wirklich stark.Genau deshalb sind es am Ende 3 Sterne geworden. Anathema konnte mich über weite Strecken nicht wirklich überzeugen, hatte für mich aber dennoch genügend starke Ansätze, um mehr als 2 Sterne zu rechtfertigen: das atmosphärische Worldbuilding, der gelungene Einstieg und vor allem das deutlich stärkere letzte Drittel. Den Hype kann ich trotzdem nicht ganz nachvollziehen. Geschmäcker sind verschieden, und ich bleibe im Fantasy-Genre wohl eher bei Geschichten, die mich emotional stärker berühren. Das war hier leider nur in homöopathischen Dosen der Fall.