Ich kann nicht zählen, wie oft ich mit historischen Krimis ins 19. Jahrhundert oder ins Mittelalter reiste. Aber ins elisabethanische Zeitalter hat es mich noch nicht verschlagen. Umso neugieriger machte mich "Lady Grace", auch wegen des wirklich tollen Covers, das die Zeitreise gleich nochmal mehr anschiebt.Grace ist Teenager und damit noch Hofjungfer bei Queen Elisabeth. Nachdem sie sich recht unfreiwillig einen Verlobten unter drei Anwärtern ausgesucht hat, soll genau dieser einen der anderen beiden ermordet haben. Also macht sich Grace auf die Suche. Damit setzt sich Grace über viele Regeln ihres Standes hinweg und emanzipiert sich damit auch ein. So weit, so nett. Und in vieler Hinsicht lässt sich "Lady Grace" auch flott runterlesen. Leider konnte es mich aber nicht restlos begeistern. Nicht falsch verstehen: Das Buch finde ich durchaus nett, aber halt leider nicht mehr.Die Zielgruppe gibt der Verlag ab 12 an, für diese Zielgruppe kommt mir bei einem Krimi zu wenig wenig Spannung auf. Vieles sehe ich als Erwachsene viel zu lange voraus und das geht vielen Teenagern vermutlich ähnlich.Grace erzählt ihre Geschichte selbst in Form von Tagebucheinträgen. Und das ist ein Punkt, der es mir zunächst schwer machte, überhaupt ins Buch zu finden, und an dem ich mich auch weiter gestört habe. Wir bekommen ihre Sicht so ungefiltert und Grace' Sicht trägt neben einiger Naivität doch auch einige überholte Sichtweisen. Zwar versucht ihr emanzipatorischer Anspruch das immer wieder zu brechen, aber eine große Brechung ist aus ihrem Charakter heraus nicht wirklich möglich. So sind für Grace das Wäschemädchen Ellie und Akrobat Masou zwar ihre besten Freund*innen. Trotzdem ist ihre Sicht auf die beiden paternalistisch und mitleidsvoll. Durch ihre Draufsicht können wir mit den beiden nicht wirklich mitfühlen. Und dann nervte mich Grace' hyperventilierende Hofjungernart, die immer wieder durchschien, und die doch etwas klischeebehaftetes hat. Umso mehr, weil sich Grace gegenüber den anderen Hofjungfern gerne als "the other girl" darstellt.Generell paste für mich die Darstellung des Sozialgefüges für mich gar nicht. Grace darf einerseits kaum etwas alleine machen, kann sich dann aber andauernd absetzen - und darf dann doch wieder beim Ausbessern von Kleidung helfen. Das dient als Tarnung für weitere Ermittlungen, aber schon die Tarnung ist außerhalb ihres Standes. Die Indizien für die Auflösung des Falls kommen dann sehr Ex Machina.3 von 5 Sternen.