Tage am Fluss, Roman von Jochen Mariss, EBook von Kiepenheuer & Witsch
Gegen den Strom schwimmen um anzukommen.
Mitten in der Natur, dort wo der Fluss einen Halbmond bildet, lebt Sara, mit ihrem Hund Luna, drei Schafen und ihrem Hühnerorakel. Sie hat das Amt der Fährfrau, schon ihr Vater hat die Passagiere auf die andere Seite des Flusses gebracht. Doch auf einmal soll sich etwas ändern. Eine Brücke soll gebaut werden, die die Fähre überflüssig macht und nebenbei viel Natur zerstört. Sie weigert sich jedoch Teil ihres Grundes zum Bau der Brücke herzugeben. Was bedeuten würde, dass sie sich selbst arbeitslos macht. Als die Probrücke Befürworter ihr immer mehr zusetzen, kommt Leon in ihr Leben, ein junger Umweltaktivist, der nach einer Waldbesetzung, vor der Polizei flüchtet, er ist verletzt und kommt bei ihr unter. Die beiden gewöhnen sich aneinander, sie sind beide nicht einfach, haben ihre Eigenheiten und Geheimnisse. Es spitzt sich immer mehr zu und nach einem Unwetter geraten sie auch noch in Gefahr.
Das Buch besteht aus 41 brisanten und aufregenden Kapiteln in idealer Leselänge, jedes Kapitel endet so spannend, dass ich das nächste sofort beginnen wollte. Einen Punkt zu finden um das Buch einmal zur Seite zu legen war schwer und so habe ich es in kürzester Zeit durchgelesen. Zwei Erzählstränge im auktorialen Stil, jeweils aus der Sicht von Leon oder Sara, lassen den Leser immer mitten drin im Geschehen sein. Vor allem am Schluss als sich die Situation so sehr zuspitzt, das war unheimlich aufregend. Die Naturbeschreibungen waren wunderschön, das Setting ist so bildhaft beschrieben, absolutes Kopfkino. Der Text wird durch viele spannende Dialoge und tiefgründige Gedanken aufgelockert. Gedichte und Zitate von Brecht, Kästner und anderen, beleben den Text zusätzlich.
Ganz besonders wertvoll sind die Innenansichten und Gedanken der Charaktere, das macht die Figuren echt und authentisch. Das Schicksal von Sara und ihre Familiengeschichte hat mich zutiefst berührt ihr Verhalten kann ich nachvollziehen. Doch auch Leon hat es nicht leicht, sein Umweltbewusstsein verstehe ich total, wobei es bei mir nicht in Panikattacken ausartet, doch ungute Gefühle, für die Zukunft habe ich schon. Beide sind nicht ehrlich zueinander, naxh und nach kommt die Wahrheit ans Licht und das entzweit die beiden immer wieder. Doch letztendloch verbindet beide, die Liebe zur Natur. Zusammen sind sie ein tolles Team, Leon kann anpacken und es geschieht viel auf Saras Anwesen, wozu ihr alleine die Kraft fehlt.
Dieses Buch geht mir sehr nahe, es berührt mich und spricht auch meine Ängste an. Klimaschutz ein Thema das niemand unberührt lassen darf.
Mir hat auch das offene Ende gut gefallen, alles kann gut werden, wenn endlich alle Verantwortung übernehmen, wenn nicht Gleichgültigkeit und Maßlosigkeit weiter die Oberhand behält. Ein Buch das jeder Lesen sollte, ein Denkanstoß für ein wichtiges Thema. Deshalb von mir eine unbedingte Leseempfehlung.
Dazu 5 Sterne