Bücher über Mutter-Tochter-Beziehungen gibt es viele. Doch dieses Debüt von Jennifer Segebrecht ist ein sehr besonderer Roman und sollte unbedingt gelesen werden, denn das Geschriebene wird neutral geschildert. Zu keinem Zeitpunkt ergreift man Partei für eine Figur. Jennifer Segebrecht stellt einfach nur objektiv dar und das gefällt mir. Auf 272 Seiten reisen wir durch über 60 Jahre Familiengeschichte der drei Frauen Ulrike, Barbara und Charly. 2018: Charlys Großmutter Ulrike ist verstorben. Die beiden hatten immer einen guten Draht zueinander. Ihre Mutter Barbara zu Ulrike hingegen nicht. Viele Jahrzehnte hatten die beiden keinen Kontakt. Die Ursachen liegen vor allen Dingen in Barbaras Kindheit, die nicht gradlinig verlief. Ulrike wurde mit 18 Jahren schwanger. Barbara ist ein Mitbringsel aus einem Sprachkurs in Frankreich. Von Beginn hat, hat Ulrike kein inniges Verhältnis zu ihrer Tochter aufbauen können. Ihr zweiter Mann Adem, ein türkischer Geschäftsmann aus Istanbul, nimmt Barbara an wie seine leibliche Tochter und sie verstehen sich gut. Oft fühlt Ulrike sich von ihm und Barbara hintergangen. Ulrikes ganze Liebe gilt ihrem Sohn Dany, der aus dieser Ehe mit Adem hervorgegangen ist. Nach ihrem gemeinsamen Wegzug aus Istanbul und einem Neuanfang in Deutschland, beginnt es in der Ehe zu kriseln. Adem verlässt die Familie und Ulrike geht es psychisch immer schlechter, das wirkt sich auf die Mutter-Kind-Beziehung aus. Schließlich kommt es zum Bruch und auch Dany geht seine eigenen Wege und bricht mit Mutter und Schwester. Charly nimmt Ulrikes Tod zum Anlass, ihre eigene Beziehung zu ihrer Mutter Barbara zu überdenken. Auch diese ist nicht ganz einfach und ist geprägt von gegenseitigen Erwartungen. Viel Ungesagtes kommt dabei hoch und ist es endlich der Zeitpunkt gekommen, ehrlich miteinander zu sein. Eine sehr berührende und realistische Geschichte und Jennifer Segebrecht führt uns langsam und mit viel Bedacht an diese bestehenden Generationskonflikte heran. In wechselnden Zeitebenen wird die Gefühlslage der drei Protagonistinnen sehr gut abgebildet. Verständnis mag man für alle drei aufbringen. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, zumal sie mich ein wenig an Geschehnisse in der entfernten Familie erinnert. Ferner reflektiert man während des Lesens ganz automatisch die eigene Mutter-Tochter Beziehung. Die Auseinandersetzung damit, kann nie verkehrt sein. Jennifer Segebrecht schreibt flüssig und modern, so dass man schnell durch die Buchseiten fliegt. Dieser Roman macht wirklich Lust auf mehr Bücher von ihr und sehr gerne spreche ich für Muttertage eine 5 Sterne Leseempfehlung aus.