Mit dieser Frage unterstreicht der junge DC Chris Waters, ein Nachwuchspolizist im Förderprogramm, wie viele Jahre ihn und seinen Ausbilder, DS David Smith, trennen. Die beiden haben den Auftrag zu prüfen, ob hinter einem Unfall mit tödlichem Ausgang mehr steckt. Ein Hinweis aus der Gerichtsmedizin stärkt den Verdacht auf Ungereimtheiten. Weitere Recherchen bestätigen das Urteil des DS, dass der 17-jährige Wayne Fletcher nicht durch einen Unfall starb. Kaum werden offizielle Ermittlungen aufgenommen, stößt Smith auf Widerstand. Mysteriös wird die Angelegenheit, als er bemerkt, dass ihn jemand beschattet. In welches Wespennest hat der DS da gestochen?
"Ein unglücklicher Tod" ist der Auftaktband von Peter Graingers Krimiserie um den Ermittler DC Smith. Der ehemalige Lehrer hatte als Selfpublisher mit dieser Reihe so großen Erfolg, dass er das Interesse von Verlagen weckte. Nachdem ich den Krimi gelesen habe, kann ich das gut nachvollziehen.
Detective Sergeant David Smith, von seinen Freunden DC genannt, ist ein ehemaliger Detective Chief Inspector, der seit über dreißig Jahren im Dienst ist. Statt in Pension zu gehen, wie es einige seiner Vorgesetzten trotz Smith unbestreitbarer Erfolge hofften, hat er eine Zurückstufung gewählt. Er ist ein gerechtigkeitsliebender Ermittler, der unkonventionelle Methoden nicht scheut und sich in Grauzonen bewegt, wenn es der Wahrheitsfindung dient. Für den Witwer ist sein Job eher eine Berufung und er ist noch nicht bereit, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Die Nebenfiguren, vor allem DI Reeve und DC Waters überzeugen ebenfalls, werden aber in den weiteren Bänden sicher noch an Tiefe gewinnen.
Peter Grainger hat mit seinem atmosphärisch dichten Krimi meinen Geschmack getroffen. Mir gefällt die ruhige Art, mit der sich die Geschichte entwickelt. Weniger Action, dafür nachvollziehbare Ermittlungen, ohne dass die Spannung darunter leidet. Dialoge, bei denen es auf die Zwischentöne ankommt. Nebenbei beschreibt der Autor den Zustand der Polizeibehörden, die unter Einsparungen und Personalkürzungen leiden. Er thematisiert die internen Machtspielchen und das Kompetenzgerangel jener, die sich nur ihrer Karriere verpflichtet fühlen und die Smith verachtet. Amüsant war der Vergleich der Methodik vom erfahrenen Detective Sergeant und dem Youngster Waters. Während sich Smith bspw. auf analoges Kartenmaterial verlässt, nutzt der Nachwuchs Google Maps. Beide kommen auf ihre Art zu einem brauchbaren Ergebnis. Smith erweist sich als kompetenter, unorthodoxer Polizist und fähiger Ausbilder.
Der angebliche Routinefall nimmt im Laufe der Ermittlungen Fahrt auf und entwickelt sich in eine völlig unerwartete Richtung. Letztlich wird das Verbrechen aufgeklärt und findet dank des risikoreichen Einsatzes von Smith und Waters ein angemessenes Ende.
Ich bin begeistert von meiner neuen Entdeckung und werde die Reihe weiter verfolgen. Erfreulicherweise sollen die nächsten beiden Bände zeitnah auf Deutsch erscheinen. Wer intelligente, eher ruhige Krimis mit britischem Humor und einem speziellen, aber sympathischen Ermittler mag, ist hier richtig.
4,5 Sterne