DC Smith, noch nicht in Pension, wohin ihn manche Kollegen und Vorgesetzte wünschen, aber auch nicht mehr übereifrig, bekommt nach einer Auszeit einen Fall, der keiner ist: ein Jugendlicher ist ertrunken. Eigentlich ein Routinefall, wäre da nicht der alte Fuchs Smith, der nicht nur geradeaus, sondern auch ein bisschen um die Ecke denkt. Er wird etwas bemerken, das noch nicht besonders aufgefallen ist und sich mit dem Polizeischüler Chris Waters in die nicht mehr heiße Spur begeben.
Gerade dieser junge Waters ist das Salz in der Suppe des Buchs. Ich hatte über weite Strecken das Gefühl, ich sei in die Rolle von Waters geschlüpft, seine Reaktionen sind so glaubhaft und verpassen dem Buch einen gewissen Touch von Originalität, die man sonst nicht erlebt bzw. liest. Inklusive blutiger Nase und Musik wie »Old Love.«
Der Verlag kündigte den Kriminalroman so an Als Self-Publisher eroberte Grainger die Herzen der Leserinnen und Leser im Sturm. Für mich war es dann doch eher ein frischer Wind, gespickt mit ein paar englischen Humor-Einsprengseln. Das Buch beginnt recht schwungvoll, aber wie manche Beweisstücke, so schwindet auch die Spannung. Erst im letzten Viertel wird es dann noch einmal brenzlig, das war auch gut so, sonst wäre der Fall allzu seicht im Ufersand verlaufen. Die Frage Unfalltod oder Mord bleibt bis fast zum Ende offen. Und ein ominöser Captain Hamilton, außer Dienst, aber mit Einfluss, bringt Unruhe in die Ermittlungen, aber unter Beteiligung der bosnischen Familie Subic sind Smith und Waters im Laufe der Handlung fast zu Freunden geworden und so kann man hoffen, dass die nächsten Bände, die der Verlag in Aussicht stellt, wirklich ein Sturm werden.
Mein liebstes Zitat zum Schluss: »Ich glaube nicht, dass man sein Verhalten im Vorhinein rechtfertigen kann, Sir.«, konstatiert Smith ziemlich am Ende. Genau, und hinterher ist es zu spät!
Fazit: Ein englischer Krimi, zwei Polizisten, die gegensätzlicher nicht sein könnten, ein Fall, der mehr nach sich zieht als ein, zwei Tage Unfallermittlung. Mäßig spannend. Aber wegen der feinen Übersetzung ins Deutsche recht lesenswert.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.