Emma steckt fest. Ihr Leben auf einer Ranch in einem kleinen Ort in Montana entspricht schon lange nicht mehr den Vorstellungen, die sie einst von ihrer Zukunft hatte. Ihre Beziehung zu ihrer Jugendliebe besteht mehr aus Gewohnheit als aus echter Nähe, ihre Träume hat sie längst hintenangestellt. Als sie nach fünf Jahren Funkstille überraschend ihrem ehemaligen besten Freund Channing begegnet, gerät vieles ins Wanken. Channing lebt inzwischen in Boston und führt ein völlig anderes Leben als Emma. Spontan fasst sie einen mutigen Entschluss: Sie lässt ihr altes Leben hinter sich und zieht nach Boston, um endlich ihren Traum von einem eigenen Rosenladen zu verwirklichen. Doch das Zusammenleben mit Channing gestaltet sich schwieriger als erwartet. Zwischen Chaos, alten Erinnerungen und einer spürbaren Anziehungskraft müssen beide herausfinden, ob ihre Verbindung eine Zukunft hat. "Wild Roses & Fireflies" von Anja Tatlisu war für mich ein Buch, mit dem ich zunächst überraschend große Schwierigkeiten hatte. Tatsächlich war ich kurz davor, es bereits nach den ersten Kapiteln abzubrechen. Der Einstieg hat mich leider überhaupt nicht überzeugt, was vor allem am ersten Wiedersehen zwischen Emma und Channing lag. Die Dynamik zwischen den beiden wirkte auf mich von Beginn an sehr sexualisiert und teilweise auch sexistisch. Einige Kommentare und Handlungen empfand ich als unangenehm und völlig unpassend. Gerade weil die beiden sich nach fünf Jahren Funkstille wiedersehen, hätte ich mir hier mehr emotionale Tiefe, Unsicherheit oder ehrliche Gespräche gewünscht, statt den Fokus so schnell auf körperliche Anziehung zu legen.Trotzdem habe ich dem Buch noch eine Chance gegeben und rückblickend bin ich auch ganz froh darüber. Denn obwohl viele meiner Kritikpunkte bis zum Ende bestehen geblieben sind, gab es durchaus einige Aspekte, die mir gefallen haben und die dafür gesorgt haben, dass ich die Geschichte insgesamt doch ganz gerne gelesen habe. Besonders Emma konnte mich als Protagonistin überzeugen. Sie macht im Laufe der Handlung eine Entwicklung durch, die ich sehr gerne verfolgt habe. Zu Beginn steckt sie in einem Leben fest, das sie längst nicht mehr glücklich macht, und ich mochte es sehr, wie sie nach und nach den Mut findet, für sich selbst einzustehen. Sie trifft schwierige Entscheidungen, verlässt ihre Komfortzone und verfolgt endlich ihren Traum. Gerade dieser Aspekt der Geschichte hat mir unglaublich gut gefallen. Emma definiert sich nicht über eine Beziehung, sondern arbeitet aktiv daran, ihr eigenes Glück zu finden. Besonders positiv fand ich auch, dass sie Channing gegenüber immer wieder ihre Grenzen klar kommuniziert und sich von ihm distanziert, wenn er diese überschreitet. Sie lässt nicht alles mit sich machen und bleibt sich selbst treu. Dadurch wirkte sie auf mich authentisch, sympathisch und vor allem sehr liebenswert.Auch ihr Traum vom eigenen Rosenladen war für mich ein echtes Highlight. Die Beschreibungen des Hauses und des Ladens waren atmosphärisch und detailreich, sodass ich mir alles wunderbar vorstellen konnte. Gerade diese Szenen hatten für mich etwas Beruhigendes und fast schon Magisches. Sie haben dem Buch eine warme, gemütliche Atmosphäre verliehen und gezeigt, wie viel Herzblut Emma in ihre Zukunft investiert. Es war schön zu sehen, wie sie Schritt für Schritt ihrem Ziel näherkommt. Ein weiterer Pluspunkt war für mich die Feuerwehr-Thematik. Die Einsätze, der Berufsalltag und die Einblicke in Channings Arbeit haben die Geschichte aufgelockert und für Spannung gesorgt. Diese Passagen gehörten für mich zu den interessantesten Momenten des Buches und haben dem Roman zusätzliche Dynamik verliehen. Leider konnte mich Channing als Love Interest überhaupt nicht überzeugen. Tatsächlich war er für mich der größte Kritikpunkt der gesamten Geschichte. Er wirkte auf mich oft sehr klischeehaft: der attraktive Feuerwehrmann, der weiß, wie gut er aussieht, teilweise grenzüberschreitend handelt und dabei selten wirklich reflektiert wird. Immer wieder gab es Situationen, in denen ich sein Verhalten unfair, respektlos oder einfach unangenehm fand. Besonders gestört hat mich, dass einige seiner Handlungen zwar problematisch dargestellt werden, die Geschichte diese aber für mein Empfinden nicht ausreichend hinterfragt oder aufarbeitet. Ich hatte zudem häufig das Gefühl, dass intime Momente dort eingebaut wurden, wo ehrliche Gespräche deutlich besser gepasst hätten. Ein weiterer Punkt, den ich sehr schade fand, war die fehlende Aufarbeitung der fünf Jahre Funkstille zwischen Emma und Channing. Dieser Aspekt hat so viel Potenzial geboten, wurde meiner Meinung nach aber viel zu schnell abgehandelt. Es gab kaum intensive Gespräche darüber, was damals passiert ist, wie beide die Trennung ihrer Freundschaft erlebt haben oder welche Verletzungen möglicherweise noch vorhanden sind. Stattdessen hatte ich oft das Gefühl, dass darüber einfach hinweggegangen wird. Gerade weil ihre gemeinsame Vergangenheit eine so große Rolle spielt, hätte ich mir hier deutlich mehr Tiefe gewünscht. Auch die Konfliktlösung war für meinen Geschmack teilweise zu einfach. Viele Probleme wurden sehr schnell aus der Welt geschafft oder blieben sogar offen. Einige Streitpunkte zwischen Emma und Channing wurden aus meiner Sicht nie wirklich geklärt, sondern lediglich beiseitegeschoben. Dadurch wirkte das Ende für mich in Bezug auf ihre Beziehung nicht vollständig rund. Ich hatte mehrfach den Gedanken, dass genau diese ungelösten Themen später erneut zu Problemen führen könnten.Was mir dagegen sehr gefallen hat, war die Art und Weise, wie Emmas persönliche Geschichte abgeschlossen wurde. Die Konflikte aus ihrer Vergangenheit erhalten am Ende die Gespräche und die Aufarbeitung, die ich mir gewünscht hatte. Dadurch wirkte ihr Handlungsstrang deutlich stimmiger und emotional befriedigender als die Liebesgeschichte selbst.Auch Alanis mochte ich unglaublich gerne. Sie war für mich ein wunderbarer Ruhepol innerhalb der Geschichte und hat mit ihrer unterstützenden Art viele Szenen bereichert. Fazit Insgesamt ist "Wild Roses & Fireflies" von Anja Tatlisu für mich ein Buch mit Licht und Schatten. Während mich Emma, ihr persönlicher Weg, die Feuerwehr-Thematik und die traumhafte Vorstellung ihres Rosenladens begeistern konnten, hatte ich große Schwierigkeiten mit Channing und einigen Entscheidungen innerhalb der Liebesgeschichte. Der problematische Einstieg, die fehlende Aufarbeitung wichtiger Konflikte und die teilweise grenzüberschreitenden Situationen haben mein Leseerlebnis deutlich getrübt. Trotzdem konnte mich die Geschichte durch ihre Atmosphäre und Emmas Entwicklung noch ausreichend unterhalten.