Wild Roses & Fireflies klang für mich erstmal nach einer Romance, die genau mein Ding sein könnte: beste Freunde aus Highschool-Zeiten, ein Wiedersehen nach Jahren, WG-Chaos in Boston, ein Firefighter als Love Interest, ein Blumenladen-Traum und dazu Tropes wie Friends to Lovers, Forced Proximity, Second Chance und Friends with Benefits. Eigentlich also alles, was nach einer lockeren, emotionalen und vielleicht auch prickelnden Geschichte klingt.
Emma steht nach dem Ende ihrer Beziehung vor einem Neuanfang. Sie verlässt ihr Kleinstadtleben und zieht nach Boston zu Channing, ihrem ehemals besten Freund. Dort möchte sie sich ihren Traum vom eigenen Blumenladen erfüllen. Channing lebt eher chaotisch, Emma liebt Ordnung und natürlich bleibt es zwischen den beiden nicht lange nur freundschaftlich. Aus alter Vertrautheit, ungeklärter Vergangenheit und körperlicher Anziehung entsteht eine Friends-with-Benefits-Abmachung, die schnell komplizierter wird, als beide geplant haben.
Der Anfang hat mir tatsächlich noch gut gefallen. Emmas Gedanken über geplatzte Träume, Unsicherheit und den Wunsch, endlich irgendwo anzukommen, konnte ich gut nachvollziehen. Gerade diese ersten Kapitel hatten für mich etwas Poetisches und Nostalgisches. Auch die erste Begegnung mit Tenny war vielleicht nicht komplett realistisch, aber schön geschrieben und atmosphärisch. Da hatte ich wirklich das Gefühl: Aus dieser Geschichte könnte etwas werden.
Leider hat sich dieses Gefühl für mich nicht gehalten. Mit Channing wurde ich überhaupt nicht warm. Sein Lebensstil, die Sache mit den zwei Frauen, die Prügelei und einige seiner Entscheidungen waren für mich nicht charmant-chaotisch, sondern eher schwierig. Ich konnte ihm seine angeblich große Liebe zu Emma seit der Highschool nicht wirklich abkaufen, weil sein Verhalten für mich oft nicht dazu gepasst hat. Er sollte vermutlich dieser lockere, attraktive, etwas wilde Firefighter sein bei mir kam aber leider kein Book-Boyfriend-Gefühl auf.
Auch Emma hätte für mich eine viel stärkere Figur sein können. Ihre Ausgangssituation fand ich interessant, aber viele ihrer Entscheidungen wirkten auf mich unrealistisch. Nach jahrelangem Kontaktabbruch zieht sie sofort zu Channing, richtet seine Wohnung quasi neu ein, stellt kaum ernsthafte Fragen dazu, was damals passiert ist, und scheint ihm sehr schnell sehr viel durchgehen zu lassen. Mir fehlten da Wut, Grenzen, echte Gespräche und emotionale Konsequenzen.
Der Spice war für mich leider ebenfalls kein Pluspunkt. Nicht, weil ich grundsätzlich etwas gegen Spice habe, sondern weil er hier für mich weder gut geschrieben noch gut eingebettet war. Die Szenen wirkten oft nicht passend vorbereitet, die Situationen fühlten sich für mich nicht wirklich stimmig an und statt Knistern hatte ich eher das Gefühl: Das passiert jetzt eben, weil das Trope es verlangt. Gerade bei Friends with Benefits braucht es für mich Chemie, Spannung und ein klares Gefühl dafür, warum diese beiden Figuren einander nicht widerstehen können. Das kam bei mir leider nicht an.
Achtung Spoiler:
Einige Entwicklungen haben mich zusätzlich rausgebracht. Zum Beispiel, dass Channing einfach unter die Dusche kommt, ohne vorher wirklich zu sagen, was los ist das war für mich nicht romantisch, sondern unangenehm und unlogisch. Auch das Ende war mir viel zu einfach gelöst. Konflikte, die eigentlich emotional Gewicht haben sollten, wurden sehr schnell aufgeklärt. Dadurch wirkte die Geschichte am Ende nicht rund, sondern eher so, als hätte man das Potenzial der Figuren und ihrer Vergangenheit nicht wirklich ausgeschöpft.
Was ich positiv hervorheben möchte: Die Darstellung von Channings Alltag als Feuerwehrmann fand ich tatsächlich gelungen. Diese Einblicke wirkten vergleichsweise realistisch und haben der Geschichte etwas Greifbares gegeben. Auch die Atmosphäre rund um Boston, Emmas Blumenladen-Traum und manche Beschreibungen mochte ich gerne. Genau deshalb ärgert es mich auch ein bisschen, dass die Story für mich insgesamt nicht stärker geworden ist denn die Grundidee hatte wirklich Potenzial.
Zum Hörbuch selbst: Die Sprecher:innen fand ich angenehm. Beide Stimmen haben gut zur Geschichte gepasst und die Figuren solide verkörpert. Besonders positiv fand ich, dass man dem Hörbuch auch bei verschiedenen Geschwindigkeiten gut folgen konnte. Die Stimmen waren klar, verständlich und angenehm zu hören. Für mich war die Umsetzung als Hörbuch tatsächlich stärker als die Geschichte selbst.
Am Ende ist Wild Roses & Fireflies für mich leider eher eine Enttäuschung. Es ist nicht komplett schrecklich, aber vieles hat für mich einfach nicht funktioniert: die Liebesgeschichte, der Spice, Channings Figur, Emmas Entscheidungen und die zu einfachen Auflösungen. Ich persönlich hätte Emma Adelaide Rose ein schöneres und stärkeres Ende gewünscht vielleicht sogar eins, das weniger abhängig von Channing gewesen wäre.
Wer Lust auf eine lockere Romance für zwischendurch hat, Boston-Setting, Firefighter-Alltag, Blumenladen-Vibes und Friends-to-Lovers-Tropes mag, könnte dem Hörbuch trotzdem etwas abgewinnen. Wer aber überzeugende Chemie, gut umgesetzten Spice, tiefere Charakterentwicklung oder einen Love Interest sucht, den man wirklich anschmachten kann, wird hier vermutlich eher nicht glücklich.