Nach einem brutalen Überfall wacht eine Frau aus dem Koma auf und ist überzeugt, ein ganz normales Leben mit Ehemann und Sohn zu führen, doch plötzlich scheint niemand sie zu kennen. Selbst vertraute Menschen erkennen sie nicht wieder und nach und nach gerät immer mehr ihre komplette Realität ins Wanken. Genau diese verstörende Ausgangssituation hat mich direkt gepackt und neugierig gemacht.
Schon die ersten Kapitel erzeugen eine unangenehme, bedrückende Stimmung, bei der man ständig miträtselt, was hier eigentlich wirklich passiert. Die Verzweiflung und Unsicherheit von Sibylle wurde intensiv dargestellt. Besonders gelungen fand ich, wie oft man als Leser selbst anfängt, an allem zu zweifeln. Dadurch entsteht eine starke psychologische Spannung, die mich anfangs komplett abgeholt hat.
Leider verlor mich die Geschichte im weiteren Verlauf etwas. Die Richtung, in die sich die Handlung entwickelt, traf einfach nicht meinen persönlichen Geschmack. Anfangs wirkte alles noch geheimnisvoll und extrem spannend, später wurde mir die Thematik aber zu speziell und dadurch ging ein Teil der anfänglichen Faszination verloren. Einige Wendungen konnten mich deshalb nicht mehr so überraschen oder emotional mitnehmen wie zu Beginn.
Trotzdem bleibt es ein atmosphärischer Thriller mit einer starken Grundidee und vielen Momenten, die wirklich fesseln können. Vor allem Leser, die psychologische und etwas außergewöhnlichere Thriller mögen, dürften hier gut unterhalten werden. Für mich war es insgesamt ein solides Buch mit starkem Einstieg, auch wenn mich die spätere Entwicklung leider nicht vollständig überzeugen konnte.