Spannender Ansatz mit Grusel-Vibes und guter Dynamik, aber schwache Figuren und Logiklücken trüben das Leseerlebnis.
In "Let's Split Up" von Bill Wood geht es um vier Freunde im letzten Highschool-Jahr, die in einem Ort leben, in dem sich seit Jahren eine düstere Geschichte um ein verlassenes Haus rankt.Immer wieder verschwinden Jugendliche, und Gerüchte über das Haus machen die Runde. Natürlich gilt es als der eine Ort, den man lieber meiden sollte. Doch genau dieses Geheimnis reizt die vier Freunde. Gemeinsam wollen sie herausfinden, was wirklich dahintersteckt - und geraten dabei selbst immer tiefer in eine gefährliche Situation, die mehr mit ihrer eigenen Realität zu tun hat, als ihnen lieb ist...Meine MeinungIch muss sagen, das Buch hat für mich echt stark angefangen. Die Grundidee fand ich richtig gut - dieses klassische "Gruselhaus + Jugendliche, die ein Geheimnis aufdecken wollen"-Setting hat total 90er-Vibes und hat mich direkt angesprochen.Auch die Dynamik zwischen den Freunden hat mir grundsätzlich gefallen. Man merkt, dass da Beziehungen, Freundschaften und auch persönliche Themen mit reinspielen - zum Beispiel wird auch das Thema sexuelle Orientierung aufgegriffen, was ich gut und wichtig finde.Der Schreibstil ist insgesamt sehr flüssig, sodass man gut durch die Geschichte kommt und das Buch auch relativ schnell lesen kann.Aber...Leider hatte ich ein paar größere Probleme mit dem Buch.Das größte war für mich ganz klar die Charaktertiefe. Die vier Protagonisten haben sich für mich kaum voneinander unterschieden. Ich konnte sie gedanklich oft nicht richtig auseinanderhalten, weil ihnen einfach individuelle Eigenschaften gefehlt haben.Dadurch konnte ich keine richtige Verbindung zu ihnen aufbauen, was es mir schwer gemacht hat, wirklich mitzufiebern.Ein weiterer Punkt war die Sprache. Für 17-jährige Figuren wirkte sie auf mich teilweise viel zu kindlich. Ich hatte oft das Gefühl, ich lese Gedanken oder Dialoge von deutlich jüngeren Charakteren - eher so 13 oder 14.Das hat für mich einfach nicht ganz zusammengepasst, vor allem weil gleichzeitig auch brutalere Szenen vorkamen, die dann wieder viel "erwachsener" gewirkt haben. Diese Mischung hat mich eher irritiert als überzeugt.Auch die Handlung selbst hatte für mich einige Logiklücken. Gerade zum Ende hin blieben viele Fragen offen, bei denen ich mir einfach mehr Erklärung gewünscht hätte.Der Täter bzw. die Auflösung wurde zwar präsentiert, aber es hat sich für mich nicht vollständig schlüssig angefühlt. Da fehlten mir einfach Verbindungen, die das Ganze glaubwürdig machen.Was ich aber positiv hervorheben möchte: Einige Szenen waren wirklich gut geschrieben. Gerade die spannenden oder gruseligen Momente hatten definitiv Potenzial und konnten auch mal für kleine Gänsehaut sorgen.FazitEin unterhaltsamer Thriller mit guter Grundidee und einzelnen starken Szenen, der für mich aber durch fehlende Tiefe und Logikpunkte nicht ganz überzeugen konnte.Für mich eher ein leichter, schnell gelesener Mix aus Jugend- und Gruselgeschichte, der mehr Potenzial gehabt hätte.