«Der Schieber» überzeugt weniger durch den Kriminalfall als durch seine dichte Atmosphäre und das eindringlich gezeichnete Hamburg von 1947.
Die Kulisse des zweiten Falls von Oberinspektor Frank Stave ist erneut Hamburg. Der Roman spielt im Frühjahr des Jahrhundertsommers 1947 in der zerbombten Stadt. Hunger, Trümmer, Wohnungsnot und Schwarzmarkt prägen den Alltag. Rademacher beschreibt die Szenerie sachlich und nüchtern: kurze Sätze, Adjektive nur, wo nötig. Gerade diese karge Sprache verstärkt die apokalyptische Atmosphäre.Stave klärt gemeinsam mit dem englischen Verbindungsoffizier Lieutenant MacDonald den Mord an Adolf Winkelmann, einem 14-jährigen Jungen, der auf einer Werft auf einem englischen Blindgänger liegend aufgefunden wird. Der Roman führt in die Welt des Schwarzmarkts, der Schmuggler, Schieber und Boxpromotoren und stellt die Wolfskinder vor.Auch die Rahmenhandlung aus "Der Trümmermörder" wird weitererzählt: Karl, der Sohn von Frank Stave, kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück, und das Verhältnis zu Anna und zu Lieutenant MacDonald entwickelt sich weiter. Dabei zeigt sich die grosse Sprachlosigkeit Staves, die durch Rademachers kargen Schreibstil noch unterstrichen wird.Der Roman ist sehr lesenswert, wie schon "Der Trümmermörder". Weniger wegen des Kriminalfalls - dieser wird geradlinig und eher konventionell gelöst -, sondern wegen der gut recherchierten Einbettung in das Hamburg von 1947. Wer einen temporeichen Krimi mit überraschenden Wendungen erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich dagegen auf das Nachkriegshamburg einlässt, bekommt einen atmosphärisch dichten Roman.