Hätte mir womöglich noch besser gefallen, wenn ich in der richtigen Stimmung dafür gewesen wäre.
In den Slums von Brasilien lieben die Kinder ihre Eltern ganz genauso wie überall. Diese Liebe ist angeboren. Aber manche Eltern tun alles dafür, damit die Kinder sie eines Tages hassen. In der Nähe einer dieser Slums arbeitet Mathurine als Sozialarbeiterin. Sie hat viele Akten auf ihrem Schreibtisch und nimmt ihre Arbeit dennoch ernst. Eines schönen Tages muss sie sich um den zehnjährigen Darwyne kümmern, bzw. einmal nach ihm sehen, denn ein Nachbar der alleinerziehenden Mutter Yolanda hat unter der entsprechenden Notfallnummer angerufen und behauptet bei den Massilys fände Kindesmisshandlung statt. Der Kommentar und das Leseerlebnis:Die Story ist ansprechend erzählt, die Sprache ist eloquent, bis auf ein paar einzelne Luftschnapper (holte tief Luft) gibt es nichts auszusetzen. Der Autor vermag es auch, die einzigartige Atmosphäre des an die Slums angrenzenden Regenwalds und die Liebe, die Darwyne zu Flora und Fauna hat, einzufangen. Man ist fast selber mitten drin im Urwald und nah an den Leiden des kleinen Jungen. Dieser hat es schwer, weil seine Mama eine Art Nymphomanin ist, und ihre diversen Liebhaber ihm das Leben schwer machen. Die Folterungen, denen der Junge ausgesetzt ist, haben mir so wenig gefallen wie der Ausgang des Romans, für mich ist mit dem Verschwinden von Darwyne die Story nicht auserzählt. Die Nebenhandlung mit der Sozialarbeiterin, die medizinische Hilfe in Anspruch nimmt, um endlich schwanger zu werden, ist mir zu unwichtig für den Fall. Diesen Strang hätte ich nicht gebraucht. Was mir gefällt, sind die diversen Ausflüge in den Urwald, die Darwyne und Mathurine gemeinsam unternehmen und wie Mathurine entdeckt, was der von allen gemobbte und ausgegrenzte Junge naturkundlich so drauf hat; dies macht den Reiz der Erzählung aus. "Darwyne" ist tatsächlich viel mehr eine Erzählung als ein Thriller. Das macht nichts, denn ich kann Thriller nicht besonders leiden. Was mir nicht gefallen hat, waren einige Unwahrscheinlichkeiten. Niemand kann seine Füße einfach in die andere Richtung drehen, nicht einmal bei einer Missbildung. Und kein Kind kann ... gut, das lest selber. Fazit:Ich bin nicht in der richtigen Stimmung für diesen Roman gewesen. Das ist nicht seine Schuld. Es ist mal etwas anderes und findet seine Liebhaber. Da bin ich sicher. Kategorie: ThrillerVerlag: Suhrkamp, 2024Auszeichnungen: Grand prix de littérature policien 2023Prix Habiter du Monde 2023Prix Joseph 2022SuB-Abbau 2026