In "Tannengrab" sieht sich Ines Bucks engagierte Ermittlerin Karla mit einem bizarren Fund konfrontiert, der sich als neue Spur in einem Cold Case erweist. Obwohl sich die Ausgangslage als schwierig darstellt, gelingt es der taffen Hauptkommissarin Sommerfeld und ihrem zunächst wenig motivierten Kollegen Meyer mehr als einen Mord aufzuklären. Der Fall hat mich schnell gefesselt und die Spannung hat bis zum Schluss gehalten.
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Geburtstagsfeier von Karlas Mutter der Hauptkommissarin eine neue Ermittlung beschert? Während sie die Kaffeetafel vorbereitet, präsentiert ihr Mathilda, die Sechsjährige der Nachbarin, stolz den neuesten Fund aus dem Wald. Was die Kleine als Wildschweinknochen bezeichnet, entpuppt sich für Karla als menschliches Schlüsselbein ...
Ines Buck hat für ihren neuesten Fall ein spannendes Setting gewählt. Der Leser erlebt hautnah mit, wie sich der idyllische Waldkindergarten Wurzelkinder mit Bachgeheimnis, Wichtelhain und Moosgarten in eine Stätte des Grauens verwandelt. Nicht nur die Eltern der Kinder sind alarmiert.
Karla Sommerfeld ermittelt in ihrem zweiten Fall in Birkenweiler. Gemeinsam mit dem Kollegen Henning Meyer versucht sie, den mysteriösen Knochenfund aufzuklären. Schnell wird klar, dass dieser Fall zumindest nichts mit dem ungelösten Verschwinden ihres Vaters zu tun hat, denn der gefundene Knochen gehört zu einem weiblichen Skelett. Es stürmt einiges auf Karla ein. Neben der kranken Mutter, die unaufhaltsam in ihrer Demenz versinkt, nun ein ungelöster Cold Case, der die Kommissarin stark an die eigene familiäre Tragödie erinnert. Karla ist eine fähige Polizistin, gut vernetzt und nervenstark. Ihr Verhältnis zum leicht schrulligen Kollegen Meyer verbessert sich während der Ermittlung weiter, sodass auch seine Stärken der Klärung des Falles zugutekommen. Die übrigen Charaktere sind ebenfalls glaubwürdig gezeichnet.
Neben ihren überzeugenden Protagonisten hat mir auch Ines Bucks Sprache gut gefallen. Flüssig und bildhaft hat sie mich in ihren Bann gezogen. Ob die Beschreibung des Waldes, der je nach Situation märchenhaft, idyllisch oder aber unheimlich bzw. angsteinflößend ist, oder die des abgelegenen Wohnorts des ersten Mordopfers, beides war absolut stimmig für mich.
Schließlich gelingt es den Kommissaren, den Fall logisch aufzuklären. Die beiden so verschiedenen Polizisten, sind zu einem fähigen Team gereift, das sich hervorragend ergänzt. Ich hatte zwar einen Verdacht bezüglich des möglichen Täters, doch was sich alles hinter diesem Verbrechen verbarg, darauf wäre ich nicht gekommen. Besonders gefallen haben mir Ines Bucks Beschreibungen, die teilweise unter die Haut gehen, die gut eingefangene Atmosphäre sowie das ausgewogene Verhältnis zwischen Ermittlung und Privatleben des Hauptcharakters. Nur das erste Opfer blieb leider etwas blass. Ihr Charakter und ihre Beweggründe hätten mich interessiert.
Den nächsten Fall der Polizeiwache Birkenweiler werde ich mir nicht entgehen lassen und ich freue mich schon auf die vierbeinige Verstärkung.
4,5 von 5 Sternen