Kurz nach Kriegsende beschließt Ida zur Polizei zu gehen. Ihre zukünftige Dienststelle ist die Davidwache in Hamburg. Zu dieser Zeit sind die männlichen Kollegen wenig angetan von der weiblichen Unterstützung, deshalb muss sich Ida mit einem Büro im feuchten Keller zufrieden geben. Nicht einmal Papier bekommt sie zur Verfügung gestellt. Doch das hindert Ida nicht daran einer Spur nachzugehen, die ihrer Meinung nach äußerst verdächtig erscheint. Vermehrt werden Frauen bestohlen. Doch damit nicht genug, denn diese Frauen gestehen ihr bald, dass sie auch Opfer einer Vergewaltigung wurden. Und dann stößt Ida auch noch auf eine Leiche...Ich muss gestehen, der Anfang war schon ein wenig zäh. Allerdings nicht der Handlung wegen, sondern wegen dem Schreibstil. Er wirkte etwas kühl und distanziert. Wenn man aber erst einmal hinein gefunden hat, kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen.Die Zeit nach dem Krieg war wirklich super beschrieben. Als Leser taucht man direkt ab in eine Welt voller Hunger und Leid. Man spürt die Düsternis am eigenen Körper, ich konnte sogar den Mief oder Leichengeruch riechen. Es war fast wie in einem 4D-Kino.Außerdem wurde mit Ida ein Charakter geschaffen, der für viele Frauen ein Vorbild symbolisiert. Als einer der ersten Polizistinnen, muss sie sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen.Hier habe ich auch tatsächlich mal nachgeforscht, ob es stimmt, dass 1947 Frauen zur Polizei durften. In Österreich hinkten wir hier gewaltig hinterher. So viel ich weiß, kamen die ersten Frauen erst in den 90ern zur Polizei. Doch, die Autorin hat ihre Hausaufgaben gemacht, denn bereits 1927 wurde die erste weibliche Kriminalpolizei in Hamburg gegründet.Aber zurück zu Ida, die oft nicht ernst genommen oder für ihr Verhalten gerügt wird. Doch das hält sie zu keiner Zeit auf. Viel zu stark ist ihr Sinn nach Gerechtigkeit, sich für die Frauen einzusetzen, deren zu unrecht Leid angetan wurde.Was für eine starke Persönlichkeit in einer Welt, in der Gleichberechtigung ein Fremdwort ist. In einer Welt, in der Frauen nicht nur zeigen müssen, dass sie GENAUSO gut sind, wie ihre männlichen Kollegen, sondern BESSER.Dieses Buch war nicht nur besonders spannend, es war zudem auch besonders emotional. Es werden nicht nur Themen, wie Frauenfeindlichkeit aufgegriffen, hier geht es um Menschen, denen alles genommen wurde, die Hunger leiden müssen. Kinder, die missbraucht werden. Frauen, die vergewaltigt werden und als Lügnerin abgestempelt werden.Allzu viel darüber nachdenken, darf ich nicht. Solche Themen nehmen mich immer zu sehr mit.Fazit: Über mir hängt noch immer eine dunkelgraue Wolke, die erst einmal verschwinden muss. Danach möchte ich aber gerne mehr von Ida Rabe lesen.