Nette Romanze, aber die problematischen Seiten einer Karriere wurden leider nicht genügend vertieft
Liebesromane selbst lese ich wirklich nur noch absolut selten. Meist noch genau solche mit eben einem Plot, in welchem es um die Entscheidung für die Karriere oder die Liebe geht, einfach weil mir der Aspekt mit der Karriere jeweils sehr gefällt. Und dann ist da natürlich auch noch das Setting, dass mich direkt angesprochen hat.Das Buch bleibt anders als andere Romane, die sich diesen Konflikt vorknüpfen (Zum Beispiel "Virtuosity" und "Tanz zu den Sternen") auf der lockeren Seite. Ana bekommt noch immer den Druck zu spüren und sie ist absolut am Limit in vielerlei Hinsicht, aber letztendlich ist es nichts, was die Reha wohl nicht retten kann, was auch etwas schade ist.Vieles wird dadurch auch ziemlich runtergespielt, was teils verlorenes Potential ist, denn der Druck einer Primaballerina ist eindeutig alles andere als leicht, gerade mit ihren Umständen. Ana sorgt für die Pflege ihrer Mutter praktisch allein und hat Mühe damit loszulassen, gerade auch weil ihre Mutter auf ungesunde Weise an ihr hängt, aber am Ende geht dann einfach alles so auf und sie kann ausziehen und ihre Mutter stört das dann auch nicht mehr. Auch warum ihre Mutter so drauf ist, wird leider nie aufgelöst. Die kleinen Andeutungen, die darauf hoffen lassen, eines Tages mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren, um zu wissen, warum es so weit gekommen ist, bleiben einfach auf der Strecke liegen.Auch die Tabletten, die sie einfach mal ohne Verschreibung zu sich nimmt und von denen sie ganz klar abhängig ist, werden nicht einmal vom Arzt der Klinik angesprochen. Stattdessen reichen ihr die wenigen Wochen Reha ohne Zugriff auf die Tabletten und ohne weitere Nebenwirkungen geht es danach einfach wieder ohne diese. Sie hat ja eigentlich nicht grundlos damit angefangen und solange sie tanzt bleibt dieses Risiko, aber das ist einfach kein Problem mehr.Und ihre Essstörung, die ebenfalls ein Problem ist, wird sowieso kaum angesprochen, genauso wenig wie der allgemeine Leistungsdruck zur Perfektion und das ununterbrochene Üben, das ja bei vielen allein schon ein Grund zum Zusammenbruch ist. Auch das ist am Ende, ohne es überhaupt je anzusprechen und darauf richtig einzugehen, einfach mal so gelöst.Die Lösungen für die Konflikte folgen sind somit auch viel zu einfach. Nichts führt zu Problemen und alles ist gut, ohne weitere Konsequenzen. Die Probleme bekommen ja kaum Zeit zum Aufbau, weil da ja auch noch Kristján ist, der seine ganz eigenen Probleme hat, die noch zu weiteren Konflikten führen. Seine Seite wurde gut beschrieben und ich mag, wie beide aus ihren Problemen gemeinsam lernen können. Die Idee ist in dieser Hinsicht gut.Ich mag auch besonders, dass hier einmal die lebenslange Leidenschaft auch bestehen bleibt. Ich konnte es bei den anderen Büchern teils fast nicht verstehen, warum man den Traum für den man wirklich sein ganzes Leben lang gekämpft hat, einfach aufgibt, auch wenn ich gleichzeitig mag, wie gezeigt wird, dass es eben auch andere Träume und Lösungen gibt. Es war dennoch erfrischend zu sehen, dass Ana hier auch einmal weiterkommt, auch wenn sie von allen Figuren in dieser Hinsicht die Letzte ist, die das bei all den Problemen wirklich schaffen könnte.Rein von der Lockerheit gesehen ist es eine süsse Geschichte. Ich mag die Verbindung zwischen Ana und Kristján sehr und liebe es, wie sie sich gegenseitig in der Rehe unterstützen.Nur von den Problemen wurde etwas zu viel des Guten in die Geschichte geschüttet. Eine Sache hätte zur Genüge gereicht, um Ana ans Limit zu bringen. Eine Essstörung, ein ungesunder Drang, ständig zu trainieren, der allgemeine Leistungsdruck, Schlafstörungen, eine Tablettensucht mit vielen Nebenwirkungen und eine kranke Mutter ohne weitere Unterstützung obendrauf ist schlicht zu viel und wirkt beinahe unrealistisch, besonders wenn keines davon auch wirklich als Problem wahrgenommen wird und ernsthaft vorgeknüpft wird und am Ende einfach alles aufgelöst ist. Lieber ein Problem, welches dann aber dafür richtig angenommen wird. Die Liebesgeschichte hätte bestimmt nicht darunter gelitten, wenn man auch mal härter an die Sache rangegangen wäre.Auch gewisse Nebenfiguren gehen in der Lockerheit von allem beinahe ein wenig unter. Mich hat das aber weniger gestört, aber es ist mir doch auch ins Auge gestochen.Im Gesamten ist es aber noch immer eine nette und hauptsächlich leichte Geschichte, die wirklich nur dafür gemacht ist, einfach den Kopf abschalten zu können. Hätte man den Fokus besser verteilt und sich bei den Konflikten eingeschränkt, wäre sie wirklich eine perfekte Liebesgeschichte gewesen. So gibt es von mir aufgerundete vier Sterne für das Buch.