Ganz ehrlich: Dieses Buch lebt komplett von seiner Atmosphäre. Die Geschichte spielt im Herbst auf der Nordseeinsel Amrum. Stürmisch, leer, grau, mit heulendem Wind und dunklen Deichen. Kaum Touristen, viel Einsamkeit. Und genau in dieser rauen Kulisse wird ein älteres Ehepaar brutal ermordet. Der Mann wird kopfüber am Leuchtturm aufgehängt, die Frau ebenfalls getötet. Schon das Setting sorgt für Gänsehaut.Im Mittelpunkt steht Hauptkommissar John Benthien von der Flensburger Kripo. Er ist ruhig, analytisch, kein Draufgänger, sondern jemand, der lieber genau hinschaut. Ihn treibt vor allem der Wunsch nach Gerechtigkeit an ... besonders, als klar wird, dass dieser Doppelmord mit alten Ereignissen zusammenhängt.Ein grausam inszenierter Doppelmord erschüttert Amrum. Benthien gräbt tief in der Vergangenheit der Opfer und stößt auf lange verdrängte Schuld. Die Inselgemeinschaft schweigt. Am Ende wird klar: Das Verbrechen ist eine späte Abrechnung.Der Schreibstil ist sachlich, flüssig und atmosphärisch. Die Spannung baut sich eher langsam auf, kein Actionfeuerwerk, sondern stetiges Verdichten. Manchmal hatte es leichte Längen, aber insgesamt wollte ich wissen, was damals wirklich passiert ist.Die Figuren wirken glaubwürdig, vor allem die Nebencharaktere mit ihren Geheimnissen. Die Motive sind nachvollziehbar, wenn auch moralisch schwierig. Themen wie Schuld, Rache und das Schweigen kleiner Gemeinschaften werden deutlich.Das war mein erster und bestimmt nicht letzter Nordsee-Krimi. Ich hatte auf jeder Seite einen neuen Verdächtigen ¿ und konnte das Buch teilweise kaum aus der Hand legen. ¿