Wunderschönes, farbenprächtiges Bild des frühmittelalterlichen Englands
Der neue Roman von Rebecca Gable reiht sich schön mit seinem Cover zu den anderen Büchern der Autorin ein und ist die Vorgeschichte zu "Das zweite Königreich", der Eroberung Englands durch den Normannen William den Bastard im Jahr 1066. Er ist aber auch die Geschichte von Helmsby, eines fiktiven Ortes irgendwo im Königreich, in der Nähe von Ipswich und London angesiedelt. Hier lebt im Jahr 1013 Aelfric, der von seinem Onkel um sein Erbe als Thane of Helmsby gebracht wurde, mit seinem kleinen Sohn Penda, zu dem er eine sehr innige Beziehung hat. Mit seinem Onkel Dunstan und seinem Vetter Offa kommt er nicht sehr gut aus, insbesondere als er sich weigert, einen dänischen Gefangenen herauszugeben. Lieber bringt Aelfric den Gefangenen Hakon an den Hof des Königs Ethelred, wo beide bald in den inneren Kreis der starken Königin Emma von der Normandie aufgenommen werden, wo sich ihre Freundschaft festigt. Bald gehört auch Eilmer of Malmesbury, ein abenteuerlustiger Mönch dazu und gemeinsam erleben sie den Niedergang der angelsächsischen Herrschaft. Denn die Dänen unter Sven Gabelbart vertrieben den König und seine Königin zurück in die Normandie, aus der sie kurz wieder die Herrschaft über ihr Land erlangten, bis der dänische König Knut (Sohn von Sven Gabelbart) in England einfiel und sich mit dem Sohn Ethelreds das Land teilte. Als dieser ermordet wurde, übernahm Knut die gesamte Herrschaft über England, wobei er die Witwe Ethelreds, die schöne und starke Emma heiratete. Sie nahm ihm das Versprechen ab, dass nur ihr gemeinsamer Sohn Harthaknut den Thron Englands erlangen sollte und vergass dabei völlig ihre Söhne, die sie Ethelred geboren hatte und die sie zu ihrem Schutz in der Normandie bei ihrem Bruder Richard II. gelassen hatte. Doch die eigentliche Gefahr droht nicht von ihren eigenen Söhnen, sondern von den Söhnen, die Knut mit seiner ersten Frau Aelfgifu von Northampton hat, nämlich Sven und Harold "Hasenfuss", wobei letzterer auch nach dem englischen Thron trachtete und ihn auch bekam. Nach seiner kurzen Regentschaft erhielt Harthaknut den Thron, den er jedoch bald an Edward, den Bekenner abgeben muss, der nach dem Tod des Halbbruders aus dem normannischen Exil zurückkehrt. Um diese historischen Fakten spinnt sich die Geschichte von Aelfric, seiner Liebe und seinem Sohn Penda und das Leben der einfachen Ritter in England, die sich mit vielen Widrigkeiten und Kämpfen auseinandersetzen müssen, um mehr oder weniger friedlich ihre Höfe zu bewirtschaften zu können und ihre Bauern zu Dienstleistungen aufzufordern. Als Aelfric Thane of Helmbsy wird, muss er dennoch den Hass seines Onkels und seines Vetters Offa fürchten. Diese Auseinandersetzungen als auch die die Gefolgschaft zu Emma bringen ihm gelegentlich Ruhm und Ehre, aber auch Ärger ein. Die Treue zu Emma und ihren Söhnen geht auch auf seinen Sohn Penda über, der im normannischen Exil mit den Prinzen aufwächst und auch dort sich verliebt, was wiederum zu Spannungen mit Harold Godwinson führt. Dies wird mit bewährter Feder und einprägsam bis ins letzte Detail geschildert, sodass man ein wunderschönes, farbenprächtiges, aber auch oft grausames Bild der dänischen Eroberungen in England erhält und sich geschichtlich nun besser auskennt. Die Autorin hat nicht nur ein ausführliches Personenregister der Geschichte vorangestellte, sondern hat auch in ihrem langen Nachwort erklärt, welchen Fakten wahr und welche falsch sind. Nach kurzer Eingewöhnung (und einem Spickzettel über die Söhne Ethelreds und Emmas) liest sich das Buch leicht, der Schreibstil ist flüssig und der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten. Die historischen Personen und deren Handlungen werden nachvollziehbar dargestellt, sodass man sich vorstellen kann, ja so könnte es sich zugetragen haben. Aelfric und seine Familie passen sich wunderbar an, aber mir persönlich haben die Helmsbys ein bißchen weniger Substanz als die Waringhams. Ich weiß nicht woran das liegt, vielleicht an den viel zu kurzen Liebesgeschichten von Aelfric und Penda?Nichts desto trotz ein wunderbarer historischer Roman mit einem faszinierenden Kapitel der englischen Geschichte, mit dem ich mich noch nicht so gut ausgekannt habe, und der sich zu lesen lohnt.