Mit Fünf Fremde hat Romy Fölck einen Thriller geschrieben, der mich vor allem durch seine besondere Atmosphäre und das außergewöhnliche Setting auf der Nordseeinsel Neuwerk gepackt hat. Schon die Ausgangssituation fand ich spannend: Fünf Menschen reisen bei stürmischem Wetter auf eine abgelegene Insel, vier von ihnen verbindet ein Ereignis, das dreißig Jahre zurückliegt. Zwei Jugendliche verschwanden damals während eines Schullandheimaufenthalts - und bis heute ist nicht geklärt, was wirklich passiert ist.Besonders gut gefallen hat mir, wie die Geschichte nach und nach ihre Geheimnisse preisgibt. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, 1995 und 2025, und aus unterschiedlichen Perspektiven. Dadurch bekommt man immer wieder neue Puzzleteile und beginnt automatisch, die verschiedenen Figuren und ihre Aussagen zu hinterfragen. Wer sagt die Wahrheit? Wer verschweigt etwas? Und warum sind diese Menschen ausgerechnet jetzt wieder auf Neuwerk?Die Atmosphäre ist für mich eine der großen Stärken des Buches. Die raue Nordsee, das immer heftiger werdende Unwetter und die Tatsache, dass die Insel irgendwann nicht mehr verlassen werden kann, erzeugen eine beklemmende Stimmung. Dieses Gefühl des Eingeschlossenseins fand ich richtig gelungen. Man spürt förmlich, dass die Vergangenheit immer näher rückt und es irgendwann kein Ausweichen mehr gibt.Auch die Figuren fand ich interessant, gerade weil man bei keiner von ihnen sofort weiß, woran man ist. Nach und nach werden ihre persönlichen Geschichten und Verbindungen sichtbar. Dabei wird deutlich, wie sehr ein Ereignis aus der Vergangenheit das Leben der Beteiligten geprägt hat.Allerdings konnte mich die Auflösung nicht ganz überzeugen. Während sich die Spannung über weite Strecken sehr schön aufbaut, wirkte mir manches am Ende etwas zu konstruiert. Einige Entwicklungen waren für mich nicht ganz nachvollziehbar und haben den starken Eindruck, den die Geschichte zuvor hinterlassen hatte, ein wenig geschmälert. Hier hätte ich mir eine etwas glaubwürdigere und vielleicht auch ruhigere Auflösung gewünscht.Trotzdem hat mich Fünf Fremde gut unterhalten. Romy Fölck gelingt es, eine düstere und spannende Atmosphäre aufzubauen und die Vergangenheit Stück für Stück mit der Gegenwart zu verknüpfen. Besonders das Insel-Setting und das Zusammenspiel der verschiedenen Perspektiven haben mir gefallen.Für mich ist Fünf Fremde kein vollkommen rundes Leseerlebnis, aber ein spannender und atmosphärischer Thriller mit einer wirklich interessanten Grundidee. Gerade die Frage, was vor dreißig Jahren auf Neuwerk geschehen ist, hat mich immer weiterlesen lassen.