Wild, aber nicht im positiven Sinne
Eine von uns beginnt vielversprechend. Nach dem Brand ihres Hauses finden Gina, ihr Mann Matt und die beiden Kinder vorübergehend Unterschlupf bei Ginas Freundin Annie. Alles wirkt zunächst wie Glück im Unglück, denn Annies Heim ist luxuriös und Mary, eine freundliche Haushälterin, kümmert sich um alles. Doch schon bald beschleicht Gina das Gefühl, dass Mary nicht die ist, die sie vorgibt zu sein und damit beginnt eine Geschichte voller Zweifel, Verdacht und subtiler Manipulation.Die Spannung wird zunächst langsam aufgebaut, Hinweise werden gestreut und kleine Wendungen eingebaut, die Protagonistin zweifelt immer wieder an ihrer Wahrnehmung. Die Rückblenden in Ginas Teenagerzeit mit ihrer Clique (Gina, Annie, Laura, Sara) sind besonders gelungen und geben der Geschichte Tiefe. Auch die Perspektivwechsel zwischen Gina und Mary sowie die verschiedenen Zeitebenen sind gut umgesetzt und sorgen für Abwechslung im Erzählstil. Der Schreibstil ist flüssig, leicht lesbar und bildhaft, sodass sich das Buch schnell wegsnacken lässt.Allerdings enttäuschte mich Eine von uns insgesamt in puncto Figuren und Spannung. Die erwachsenen Frauen, allen voran Gina, wirken häufig naiv, unsicher und übermäßig leicht zu verunsichern. Auch Matt entwickelt sich von einem zunächst vernünftigen Charakter zu einem weinerlichen Jammerlappen. Diese Darstellung mindert die Glaubwürdigkeit der Handlung erheblich. Viele der Plottwists und Hinweise waren für mich vorhersehbar, statt Überraschung gab es oft ein "hab ich doch gleich gesagt"-Gefühl. Besonders in der Mitte flacht die Spannung ab und manche Handlungen wirken konstruiert und an den Haaren herbeigezogen.Das Finale überrascht zwar noch einmal mit einem brutalen, fast slasherartigem Twist, doch insgesamt fehlt der Geschichte die Raffinesse, die einen Psychothriller wirklich fesselnd macht. Positiv hervorzuheben sind die bildhafte Sprache, die guten Rückblenden und die gelungenen Perspektivwechsel.