Ein bewegender Roman über Liebe, Verlust und Erinnerung, der mich tief berührt und lange nachwirkt.
"Stay away from Gretchen - Eine unmögliche Liebe" von Susanne Abel erzählt die Geschichte des Fernsehmoderators Tom Monderath, dessen Mutter Greta an Demenz erkrankt. Während Tom sich zunehmend um sie kümmern muss, kommen verdrängte Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit ans Licht.In Rückblicken erfährt man von Gretas Jugend in der Nachkriegszeit. Sie verliebt sich in den afroamerikanischen US-Soldaten Bob, doch ihre Beziehung stößt auf Rassismus, gesellschaftliche Ablehnung und politische Grenzen. Für Greta hat diese Liebe schwere Folgen, die ihr weiteres Leben prägen und lange verschwiegen bleiben.Gelesen habe ich "Stay away from Gretchen - Eine unmögliche Liebe" eigentlich nur, weil sich der Titel auf dem Kindle meiner besten Freundin befand, den sie mir ausgeliehen hat. Schon der Titel sprach mich zunächst nicht besonders an, weil er für mich nach einer eher klassischen Liebesgeschichte klang. Doch dann gab ich mir einen Ruck - und ich bin sehr froh, dass ich den Roman gelesen habe.In dieser Geschichte laufen zwei traurige und berührende Zeitebenen nebeneinander. In der Gegenwart ist Greta eine ältere Dame, die langsam an Demenz erkrankt. Durch ihre Gedanken und ihr Verhalten merkt man, wie sie zunehmend abbaut. Während ihr Kurzzeitgedächtnis immer schwächer wird und sie sich teilweise kindlicher verhält, vor allem beim Essen, sind die Erinnerungen an ihre Jugend noch sehr lebendig und detailliert. Gleichzeitig kann sie diese Erinnerungen nicht mehr richtig mit den aktuellen Ereignissen verbinden.Ihr Sohn Tom ist ein bekannter Journalist und Nachrichtenmoderator. Durch seinen beruflichen Stress und die Erkrankung seiner Mutter gerät er immer stärker unter Druck. Er möchte seine Arbeit perfekt erledigen, muss aber gleichzeitig auf Greta achten, die immer unberechenbarer wird. Nach kurzer Zeit merkt er, dass er beide Aufgaben nicht allein bewältigen kann und auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist. Tom wirkt dabei nicht immer sympathisch, da er meiner Meinung nach häufig unfreundlich reagiert und auch seine Kolleginnen und Kollegen anschreit. Gerade dadurch erscheint er aber auch menschlich und überfordert.Gretas Vergangenheit ist auf eine ganz andere Weise emotional. Hier geht es um Kriegsflüchtlinge, die alles verlieren, um eine zerrissene Familie und um eine Liebe, die in dieser Zeit nicht sein darf. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber Greta erlebt grausame Dinge, die sie ihr Leben lang begleiten und auch einen Schatten auf die Beziehung zu ihrem Sohn werfen.Susanne Abel beschreibt die dramatischen Szenen packend und emotional, ohne sich in zu verschnörkelten Beschreibungen zu verlieren. Sie verwandelt ihre Figuren nicht in Heldinnen und Helden. Es sind Menschen, die Fehler machen, falsche Entscheidungen treffen und trotzdem versuchen, ihr Glück zu finden. Genau dadurch wurden die Charaktere für mich glaubwürdig und menschlich.Während des Lesens kamen mir oft die Tränen. Die beiden Zeitebenen haben mich auf unterschiedliche Weise sehr berührt, und das Ende ist voller Hoffnung und einfach wunderbar. Jedes Buch, das mich ehrlich zu Tränen rührt, bekommt von mir fünf Sterne, wenn auch der weitere Rahmen passt.Ich empfehle "Stay away from Gretchen - Eine unmögliche Liebe" allen Leserinnen und Lesern, die emotionale Familiengeschichten mögen und sich für Romane interessieren, die persönliche Schicksale mit historischen Themen verbinden. Wer eine leichte, reine Liebesgeschichte erwartet, wird hier vielleicht überrascht sein. Wer aber eine berührende, ernste und trotzdem hoffnungsvolle Geschichte lesen möchte, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben.Mein Fazit: "Stay away from Gretchen - Eine unmögliche Liebe" ist keine kitschige Liebesgeschichte, sondern eine Erzählung von Krieg, Verlust und tiefem Schmerz - aber auch von Liebe, Erinnerung und Hoffnung. Mich hat das Buch emotional vollkommen erreicht und lange beschäftigt. Deshalb ist es für mich eine klare Leseempfehlung und verdient 5 von 5 Sternen.