Ein wirklich tolles und gleichzeitig teilweise schwer auszuhaltendes Buch. Bei manchen Gedanken von Jessica musste ich beim Lesen tatsächlich erst einmal tief durchatmen, weil mich so vieles daran aufgeregt hat. Vor allem die Art, wie Frauen klein gehalten werden und sich teilweise selbst kleinmachen, weil sie Angst haben anzuecken oder nicht den Erwartungen zu entsprechen, fand ich sehr eindringlich dargestellt.
Auch die Beziehung zwischen Jessica und ihrem Sohn wirkte auf mich sehr realistisch. Ihre Angst, als berufstätige Mutter nicht genug zu sein, wird dabei sehr nachvollziehbar beschrieben. Gleichzeitig ist ihr persönlicher Konflikt besonders spannend, weil sie als Richterin eigentlich für ihre Überzeugungen einsteht, aber plötzlich selbst mit einem Fall konfrontiert wird, der sie als Mutter ganz anders fordert.
Auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Vergewaltigung fand ich sehr fesselnd. Gerade Jessicas innerer Konflikt und die Frage, wie sie mit den Aussagen ihres Sohnes und ihren eigenen Überzeugungen umgehen soll, machen die Geschichte sehr spannend.
Dazu hat mir auch der Schreibstil gut gefallen. Das Buch liest sich flüssig, ohne dass die schwierigen Themen dabei oberflächlich behandelt werden. Insgesamt eine Geschichte, die mich mehrfach richtig wütend gemacht hat, mich aber gerade deshalb sehr beschäftigt hat.