"Herr und Hund" mit dem Untertitel "Ein Idyll" zählt neben "Die vertauschten Köpfe" zu den umfangreichsten Erzählungen von Thomas Mann. Entstanden ist das Werk im Jahr 1918. Die erste Veröffentlichung erfolgte im November 1919 in München als Privatdruck in einer limitierten Vorzugsausgabe von 120 nummerierten und signierten Exemplaren, deren Erlös bedürftigen Schriftstellern zugutekam. Parallel dazu erschien eine reguläre Buchausgabe gemeinsam mit dem "Gesang vom Kindchen". Später wurde die Erzählung mehrfach in Sammelbände aufgenommen, unter anderem 1922 in "Gesammelte Werke in Einzelausgaben", 1945 in "Ausgewählte Erzählungen" sowie 1958 in die Stockholmer Gesamtausgabe von Thomas Manns Werken.
In "Herr und Hund" beschreibt Thomas Mann seine Erfahrungen mit seinem Hund Bauschan, einem Hühnerhundmischling, der als schwacher und halb verhungerter Welpe den verstorbenen Collie Motz ersetzte. Letzterem hatte der Autor bereits in "Königliche Hoheit" ein - wenn auch deutlich kleineres - literarisches Denkmal gesetzt.
Die Erzählung gilt als besonders einfühlsame und zugleich humorvolle Darstellung der Beziehung zwischen Mensch und Haushund. Sie ist in fünf Kapitel gegliedert, deren Titel bereits erkennen lassen, dass der Text keinen streng literarischen Anspruch verfolgt. Dazu gehören etwa "Er kommt um die Ecke", "Wie wir Bauschan gewannen", "Einige Nachrichten über Bauschans Lebensweise und Charakter" sowie "Das Revier", das das Spaziergebiet rund um das damalige Münchner Wohnumfeld in Bogenhausen detailreich beschreibt. Den größten Teil nimmt jedoch das abschließende Kapitel "Die Jagd" ein, das fast die Hälfte der gesamten Erzählung ausmacht.
Bauschan, dessen Name aus Fritz Reuters Roman "Ut mine Stromtid" stammt und vermutlich eine Verformung von "Bastian" ist, gehörte zu den Lieblingshunden Thomas Manns. Er war zudem das einzige seiner Haustiere, das zur Hauptfigur eines literarischen Werkes wurde. Zwar spielten die später gehaltenen Pudel namens Nico in Manns Tagebüchern eine deutlich größere Rolle, und mindestens einer von ihnen taucht auch in einem Filmbericht über den Autor auf, doch literarisch wurden sie nie verarbeitet.
Bauschan lebte rund vier Jahre in der Münchner Villa Thomas Manns, die zusammen mit ihrer Umgebung die Kulisse der Erzählung bildet. Im Winter 1919/1920 zeigten sich erste Krankheitsanzeichen. Am 26. Dezember 1919 brachten Erika und Klaus Mann den Hund in eine Tierklinik, nachdem am Vortag ein Arzt - von Thomas Mann im Tagebuch als "junger Mann mit Schmissen und Dr. -Titel" beschrieben - Staupe diagnostiziert hatte. Es handelte sich um eine damals besonders schwere Verlaufsform, die auch ältere Hunde betraf und mit eitriger Lungenentzündung sowie nervösen Symptomen einherging; die Prognose war entsprechend ungünstig.
Am 16. Januar 1920 hielt Thomas Mann schließlich fest, dass Bauschan nicht mehr zu retten sei. Zusätzlich war eine Harnvergiftung aufgetreten, weshalb eine schmerzlose Einschläferung empfohlen und von der Familie veranlasst wurde.
Zum Gedenken diktierte Thomas Mann seiner Frau Katia als mögliche Grabschrift die Verse:
"Zwar hat auch ihm das Glück sich hold erwiesen,
Denn schöner stirbt ein Solcher, den im Leben
Ein unvergänglicher Gesang gepriesen."